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30 Okt. 2017 10:44
  • Lucy
  • 408 Beiträge seit
    12 Dezember 2012
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Liebe Sibylle,
Die Gedanken, die Du Dir machst, finde ich völlig normal. Ich kann das auch gut mit dem was-wäre-wenn :whistle: :blush: man muss halt nur aufpassen, dass sie nicht mit einem davon galoppieren und es kein Halten mehr gibt.

Du hast ja hier schon einige gute Ideen bekommen. Sport und Gartenarbeit, ja, immer gerne im Rahmen meiner Möglichkeiten, das ist auch meins :) :) und den Gedanken von Christian finde ich auch hilfreich, von wegen erstmal etwas anderes erledigen. Unser Sohnemann hat bei meiner Diagnose mal gesagt, naja, die Mama stirbt ja nicht heute. Er war halt noch sehr jung zu der Zeit. Mir hat es damals das Herz zerrissen, aber je mehr ich drüber nachdachte, fand ich diesen kindlich naiven Ansatz eigentlich sehr gut. Nein, stimmt, ich sterbe noch nicht heute, ich wache auf, ich bin da, ich atme, ich esse, ich lache, manchmal bin ich traurig und habe Angst, gehört halt dazu und ich habe jeden Tag tausend Dinge zu erledigen und zu erleben. Also schiebe ich die Ängste erst mal wieder nach hinten, die müssen warten! Es ist leichter, in kleinen Schritten zu denken, als in die Ferne blicken zu wollen.

Trotzdem habe ich immer positive Ziele vor Augen, und zwar im wahrsten Sinne des Worte, d.h. ich stelle sie mir ganz fest bildlich vor. Gerade wenn man Kinder hat, steht doch immer irgendetwas an, Kommunion, Schulfeste, Schulabschluss etc. Bei Diagnose habe ich oft darüber nachgedacht, dass ich das alles nicht mehr erleben werde. Heutzutage denke ich, wer weiss, vielleicht doch und dann male ich mir das zur Bekräftigung gleich mal bildlich aus :silly:

Beratungen bei der Psychoonkologin hatte ich auch. Wie Du schriebst, hilft es, einmal alles loswerden zu können, womit man die Familie nicht belasten möchte. Wirkliche Antworten habe ich dort aber auch nicht erhalten, im Gegenteil. Die Ärztin meinte irgendwann, jetzt würde sie aber selber an ihre Grenzen stoßen, spätestens da war für mich der Zeitpunkt gekommen, das Ganze zu beenden. Ich hatte immer den Eindruck, ich war ihr deutlich zu vital und positiv gestimmt und zu selbstbestimmt, während sie diejenige war, die dauernd vom Sterben sprach. Ich will Dir das nicht mies reden, ich kenne auch Leute, denen bringt die Psychoonkologie sehr viel. Mich haben die Gespräche aufgewühlt und eher runtergezogen. Probier es einfach mal aus, einen Versuch ist das allemal wert.

Liebe Grüße,
Lucy

29 Okt. 2017 21:36
  • Reta
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    10 September 2026
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Hallo Maus,
wir alle erleben diese Krisen und versuchen, jeder auf seine Weise, damit zurechtzukommen. Ich sage mir immer, dass die Dinge ihren Lauf nehmen, egal ob ich lache oder weine. Also bemühe ich mich zu lachen und versuche, mir jeden Tag so schön wie nur möglich zu machen.
Das Pflegepersonal im KH hat mir einmal gesagt, dass die Patienten mit einer positiven Einstellung wesentlich besser durch die Therapien kommen als wenn sie von vorneherein negativ eingestellt sind.
Was mir persönlich immer wieder hilft ist Gartenarbeit und Sport, also möglichst Bewegung an der frischen Luft.
Und wenn dir danach ist, suche dir professionelle Hilfe.
Und: du wirst sehen, in Kürze werden Antikörper und Car-T-Cells Standard bei der Behandlung des Myeloms, das dann nicht mehr und nicht weniger als eine chronische Erkrankung durchgeht.
Kopf hoch...
Reta

29 Okt. 2017 19:59
  • CLE084
  • 0 Beiträge seit
    10 September 2026
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Hallo Diddlmaus,

ich möchte noch etwas zu den Gedanken und inneren Stimmen sagen. Wir alle kennen diese inneren Dialoge und jeder Mensch erhält seinen eigenen, ganz persönlichen Satz an diesen Stimmen (Gedanken) mit dem Erlernen der Sprache und im weiteren Verlauf seines Heranwachsens durch die Konditionierung mittels Erziehung, die Umgebung, seine Mitmenschen und dem soziokulturellen Umfeld. Hinzu kommen eigene Vorlieben, Abneigung, Stärken und Schwächen und so ergibt dieses komplexe Zusammenspiel das, was wir letztlich als "Persönlichkeit" definieren würden.

Doch was genau können diese inneren Dialoge anders, als eben nur gemäß dem was erlernt und wie sie geformt wurden, mehr oder (meist) weniger sinnvolle Kommentare zur aktuellen Befindlichkeit abzugeben.

Ich meine, wenn du bspw. zwischen 3 möglichen Optionen eine Entscheidung treffen musst, dann ist es klug alle Vor- und Nachteile der Optionen und der jeweiligen Entscheidung die es zu treffen gilt zu kennen; also setzt man sich hin, und geht vielleicht sogar mit Stift und Papier alle bekannten und unbekannten Fakten durch, vergleicht, wägt ab und entscheidet sich entsprechend.

Doch diese gedanklichen "Was wäre wenn..." Spielchen die einem den Schlaf rauben und bis an den Rand der Verzweiflung oder sogar darüber hinaus treiben, welchen Nutzen haben die?

Die sind wirklich nur dazu gut, einen in den Wahnsinn (das eine ich wörtlich) zu treiben.

Daher mein Tipp, wie du mit diesen Dämonen umgehen kannst: Mache dir bewusst, dass Angst vor etwas, was noch nicht eingetreten ist, vollkommen unbegründet ist. Niemand kann in die Zukunft sehen - auch du nicht.
Ob sich Gegebenheiten wie z.B. dein Gesundheitszustand in die eine oder andere Richtung entwickelt, kann ebenfalls niemand mit Sicherheit sagen. Jegliche Spekulationen sind demzufolge also nutzlos.

Richtig ist aber, dass du durch eine positive und zuversichtliche innere Haltung sehr wohl die Gesamtsituation positiv beeinflusst (dazu gibt es jede Menge wissentschaftl. Studien).

Negative, depressive Gedanken werden in 99% aller Fälle durch Ängste geschürt. Stelle dich deiner Angst in dem du offen mit Menschen zu denen du vertrauen hast, darüber sprichst. Erwarte von deinen Gesprächspartnern aber keine Lösungen oder "Erfolgsrezepte". Ängste mit anderen zu teilen hilft dir über deine Ängste durch das Gespräch neu zu reflektieren und andere Perspektiven zu entdecken. Das ist es was wichtig ist und dir helfen wird. Ob das ein Therapeut, dein Ehemann, eine gute Freundin oder der Gemeindeseelsorger ist, ist hierbei nahezu unerheblich. Sprich, sofern er es bereits reflektieren kann, auch besonders mit deinem Sohn kindgerecht über deine Stimmungen und über die Situation und denk dran: es gibt kein Tabuthema! Unausgesprochenes ist für Kinder viel viel schlimmer, als mit Tatsachen konfrontiert zu werden.

Erziehe deine Gedanken indem du konsequent Ängste und Sorgen die dich quälen ins klare Licht deiner Kognition zerrst und dort beleuchtest. Also wenn z.B. die Stimme erscheint

"Und dann kommt da immer diese andere Stimme in mir. Die fragt zweifelnd: und wenn nicht? Wenn Du ab jetzt in Dauertherapie leben musst? Was, wenn alles nicht wirkt? Was wenn? *urks*"

Diesen Gedanken entgegne doch einfach mal "Heute ist heute und was morgen ist, weiß niemand - und ich auch nicht! Und falls es so kommt, na dann wird's halt so kommen, aber bis dahin ist noch Zeit und deshalb mach ich jetzt erst mal ____________________________*!
(*nach belieben ausfüllen).

Denk dran:
Du bist nur dann Sklave deiner Dämonen, wenn du ihnen deine Kraft gibst. Aber das musst du ja nicht.

christian

29 Okt. 2017 19:49
  • Angela 55
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    30 Juni 2016
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Liebe Sibylle,
Das was Dir gerade passiert berührt mich sehr. Ich kann Dir gar nichts besonderes sagen, da ich ein sehr durchschnittlicher Mensch bin. Aber ich habe einwenig verfolgt, mit welcher Kraft, Empathie und Optimismus Du vielen von uns schon beigestanden bist. Du bist stark und einfühlsam, aber Du darfst auch schwach, angstvoll und verzweifelt sein! Allein, dass Du Deine Ängste eingestehen kannst ist ein Zeichen von großer Stärke. Also, jeder hat seinen eigenen Weg und "Nichts muss, aber Alles darf". Wir sind Menschen. Ich fühle sehr mit Dir und kann nur mit meinen Möglichkeiten versuchen beizustehen. Und das bedeutet jetzt einfach, dass ich für Dich um einen Schutzengel bitten werde. ( Auch dies nennt jeder Mensch anders). Ich hoffe Du weißt es für Dich richtig zu deuten.
Wünsche Dir eine behütete Nacht, lieben Gruß, Angela55

29 Okt. 2017 18:24 - 29 Okt. 2017 18:25
  • Monalisa
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Hallo Diddl
Auch ich gehe morgen meine neuesten Ergebnisse abholen und weiß schon das meine Kappas schon wieder gestiegen sind.

Kappa 79 Labda 3 und der Quotient 23.
Die Heidelberger werden auch keine anderen Ergebnisse haben.

Ich bekomme dann ein CT(nicht morgen) und über eine neue Therapie wird gesprochen werden.

Ich versuche es möglichst auszublenden, nur heute Abend , da habe ich richtig Angst vor morgen.

Ich habe auch meine Freundin so vor Augen. Ihre Mutter hat mich gestern angerufen.
Sie ist jetzt in HP im Krankenhaus,Heidelberg hat sie wieder weggeschickt obwohl ihre Hausärztin die Zusage hatte das ein Bett frei ist.

Ihr Sohn wurde gestern ins KH bestellt weil sie nicht wissen ob sie das WE überlebt.

Eine Schei.......Situation im Moment . Alle versuchen zu kämpfen ...........aber nicht alle können gewinnen.

Wir sind auf einem sehr holprigen Weg.
Letzte Änderung: 29 Okt. 2017 18:25 von Monalisa.

29 Okt. 2017 17:29
  • CLE084
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    10 September 2026
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Diddlmaus schrieb: Jetzt, wo ich aber gerade wieder mittendrin stecke, trübt sich der Blick wieder, das Gelernte vernebelt und ich fange an zu zweifeln, ob es diesmal auch wieder so sein wird!


Hallo Diddlmaus,
manchmal ist es auch notwendig unsere eigenen Schwächen zu akzeptieren. Niemand ist immer gleich stark und kein einziges Wesen auf diesem Planeten schafft es immer siegreich "Herr der Lage" zu sein. Auch scheitern und Niederlagen sind Teil unseres Lebens. Kein Mensch ist Herr seines Lebens (eine sehr weit verbreitete Illusion). Doch auch diese "bitteren Pillen" sind nur weitere (leere) Erscheinungen.

Manchmal erwächst gerade aus der Akzeptanz, das scheinbar Unvermeindliche ruhig und gelassen anzunehmen die größte Stärke. Das ist keine Resignation sondern zeigt größten Mut und wahre innere Stärke. Wir bekommen einen klareren Blick auf das Wesentliche, wenn die "Fronten geklärt" sind.

Ich habe vor gut 4 Wochen meine HD-Chemo beendet und bekomme erst in ca. 8 Tagen das Ergebnis, ob die ganzen Therapien die ich seit Anfang des Jahres habe über mich ergehen lassen, die Induktionszyklen und Hochdosis-Chemo überhaupt erfolgreich waren, oder nicht.

Ich könnte mir nun die ganze Zeit über zwischen Hoffen und Bangen " 'nen Kopf machen" - doch würde dies das Ergebnis irgendwie beeinflussen? Also lasse ich es einfach gelassen auf mich zukommen, denn wie auch immer das Ergebnis aussieht, ich kann's weder ändern noch irgendwie beeinflussen.

Was ich jedoch machen kann ist, dass ich z.B. heute meine Enkelin für ein paar Tage zu uns geholt habe und wir uns die nächsten paar Tage eine schöne Zeit machen wollen. Und wenn wir dann in's Kino oder Schwimmbad gehen oder Spazieren und an Halloween uns gruselige (Kinder)Filme angucken und wir alle richtig viel Spass miteinander haben, dann habe ich aus meiner verfügbaren Zeit das Beste gemacht.

Zumindest aus meiner Sicht konnte ich feststellen, dass ein entspannter Umgang mit den aktuellen Gegebenheiten - wie immer sie auch sind - ein Gewinn für Alle ist.

Sicherlich gibt es auch in Deiner Situation Dinge um die du dich kümmern musst, die dir Sorge und Schmerzen bereiten, aber letztlich haben wir nur die Wahl wie wir damit umgehen - vermeiden lassen sich die Aufgaben die das Leben an uns stellt im Allgemeinen nicht.

Ich wünsche dir nur das Beste

christian