AMMonline

     

  • Kai
  • 165 Beiträge seit
    02 Februar 2011
Der erste Tag in der ReHa: Frust, Antriebslosigkeit, Depressionen, Angst, Ärger oder auch kurz gesagt "Schnautze voll".

Eigentlich pflege ich nicht einen solchen Umgangston, aber heute bin ich völlig dempremiert und muss mir meinen Frust hier von der Seele schreiben.

Zunächst das Positive: Hier im Bereich der Reha ist wieder der Therapeut für Heike zuständig, der sie bereits auf der Intensivstation betreut hat. Der versteht es richtig gut Heike zu mobilisieren. Zusätzlich hat eine Ergotherapeutin mit Heike gearbeitet. Allerdings war der Zeitaufwand für die Therapie hier im Bereich der Reha auch nicht größer als auf der medizinischen Station. Da hatte ich mir schon etwas mehr erhofft. Extrem entäuschend war die Therapeutin aus dem Bereich physikalische Therapie. Die stellt nur fest, dass Heike keine Fett- und Wassereinlagerungen hat (wie auch, bei gut 50 kg Körpegewicht) und ist nach einer Minute wieder gegangen. Da frage ich mich wo der Unterschied zwischen med. Station und Reha ist. Ich hoffe, dass sich die Therapie die nächsten Tage intensiver wird.

Jetzt das Negative: Auf der med.Station hatten wir gemeinsam ein großzügiges Doppelzimmer mit allem Komfort im Privatbereich. Jetzt haben wir eine Abstellkammer, wo ich sonst mein Fahrrad unterstellen würde.

Zitat von der Webseite der Klinik:
"Die Klinik bietet 250 Patienten behindertengerecht ausgestatte komfortable Einzel- und Doppelzimmer mit einer hochwertigen und wohnlichen Ausstattung.
Alle Zimmer verfügen über Bad/WC, Telefon, Radio, Fernseher und Safe. Balkone und Terrassen laden Patienten und Besucher ein, die herrliche Lage der Klinik am Rande des Sauerlandes zu genießen. "

Unser Zimmer hat den Flair eines Abstellraumes. Keine Toilette, keine Dusche. Einfach unterste Kategorie und das trotz privater Zusatzversicherung. Das Zimmer macht die ganze Motivation einfach zu nichte. Wir sind völlig depremiert. Den geplanten Besuch für heute haben wir abgesagt. Selbst die Fernbedienung fürs TV ist defekt. ok, da habe ich heute morgen eine Funktionierende aus einem ungenutzem Gästezimmer "besorgt". Dann gab es noch den permanent Alarm-schlagenden Überwachungsmonitor. Unregelmäßig hat das Teil geläutet. Auf das nervende Problem angesprochen hat der anwesende Arzt nachdem er fünf Minuten
an dem Monitor rumgetippt hat entnervt aufgegeben. Darauf meinte die Schwester, sie wisse auch nicht wie man das abstellt. Ggf. müsse man einen Spezialisten kontaktieren, aber das könne dauern. Nachdem die Beiden das Zimmer verlassen hatten, habe ich mir den Monitor angeschaut. Schnell war klar, dass der Alarm von anderen Patientenbetten der gleichen Abteilung auf "unserem Monitor" Alarm schlugen. Die Funktion " disable alert Interactbed" war schnell gefunden und der nervende Alarm deaktiviert. Ist eigentlich schon bemerkenswert, dass jeder Besucher selbst die Alarmgrenzen und Einstellungen von Remote-Betten nach belieben verändern kann. Da frage ich mich wie die Klinik die Zertifizierung geschafft hat.
Da ich bei dem Thema bin, gleich noch ein nettes Beispiel: Heike sollte 20 Minuten inhalieren. Ich war mal gerade nicht im Zimmer. Nach 50 Minuten kam ich zurück. Heike war in Panik und immer noch am inhalieren. Sie war schlicht vergessen worden. Ich frage mich, wie lange sie noch inhalliert hätte, wenn ich nicht zurückgekommen wäre. Die Schwestern meinten: Da könne eh nicht passieren und selbst wenn sie sich verschluckt und keine Luft mehr bekommt, würden die steigende Pulsfreqenz und der sinkende Sauerstoffgehalt am Monitor im Schwesternzimmer ebenfalls Alarm schlagen. Aber das tut er eben nicht. Zum einen wird der Monitor nicht permanent überwacht und oft genug war die Kommunikation zwischen Patient und Zentralmonitor nicht funktioniert. Der Grund dafür ist ganz einfach. Aber ich habe volle 7 Tage gebraucht, bis dieses roblem beseitigt wurde. Als Datenkabel wird ein Standartnetzwerkkabel mit RJ45 Steckern verwendet. An einem Stecker fehlte die Sicherungsnase. Sobald am Bett gearbeitet wurde, fiel der senkrecht eingesteckete Stecker aus der Buchse. Die Kommunikation zum Zentralmonitor war unterbrochen. Aber das schien niemanden zu interessieren. Nochmal: Erst nach 7 Tagen wurde das lebenswichtige Kabel ausgetauscht. Man hat eben viel zu tun. Stimmt! Leider mußte ich selbst mitkriegen, wie gleich zwei Patienten reanimiert wurden! Da wird mir schlecht, wenn ich dran denke, dass diese Delitanten bei Heike die Chemo durchziehen sollen.
Zurück zum Zimmer: Gut gefallen hat mir auch der große Mülleimer, in den die vollen Schutzhosen landen. Da ist die Luft in dem 4 x 4m großen Raum wirklich ganz große klasse. Wenn man ein Bad hätte könnte man den da reinstellen. Aber so habe ich den Eimer auf den Flur gestellt.
Heute habe ich dann den Wahlleistungsvertrag für die Besenkammer für meine private Zusatzversicherung bekommen. Ticken die nicht richtig? Soll das Zimmer etwa als privates Einzelzimmer abgerechnet werden? Apropos Abrechnung: Zur Zeit schlage ich mich ganz nebenbei mit gekürzten Abrechnungen meiner Krankenkasse rum. Ebenso will die Kasse nicht die Kosten für meine Unterbringung zahlen. Ein Gästebett, bei dem abzusehen ist, dass ich spätestens nach einer Woche selbst zum Orthopäden muss.
Zu der Frage, warum ich eigentlich in einem solchen Loch hausen muss bekomme ich folgende Antworten: Es handelt sich bei dem Zimmer um das einzige Einzelzimmer, in dem ein Monitorüberwachung ist. Auf den Privatzimmern im Bereich der Reha gibt es im Gegensatz zu der med. Abteilung keine Privatzimmer mit Monitorüberwachung. Und wenn Heike es schafft, das keine Überwachung mehr erforderlich ist, duldet der Chefarzt hier keine Begleiter auf dem Zimmer. Aber hier in dem Loch ist eine Begleitperson anscheinend kein Problem.
Also was tun?? Beschwerdebrief? Bis der wirkt, sind wir wieder weg. Außderdem ist man dann der Buhmann. Also Klinikwechsel? Das will ich Heike nicht zumuten. Außerdem gibt das zusätzlichen Ärger mit der Krankenkasse.
Ab Übermorgen, wollte ich halbtags wieder arbeiten gehen. Aber wenn ich an die Reanimationen denke wird mir schlecht.

Wenn abzusehen wäre, dass wir hier in kurzer Zeit wieder weg sind, wäre das ja ertragbar. Aber mit der Perspektive hier ein paar Wochen zu verbringen?

Frustriert und deprmiert
Kai-Uwe

  • carina
  • 0 Beiträge seit
    15 August 2026
ach Kai,
manchmal ist aber auch zum Sch.... schreien. Und dann bist du dort ganz allein. Aber hier nicht!!!! Schreib dir immer deinen Frust von der Seele, wir fühlen mit dir und denken oft an dich.
Ganz liebe Grüße und nochmals ein dickes Kraftpaket von Andrea.

  • Margret
  • 0 Beiträge seit
    15 August 2026
Lieber Kai,

vielleicht bist du irritiert, weil dir kaum jemand geantwortet hat. Aber offen gesagt fällt mir zu deinem erschreckenden Bericht kaum etwas ein! Vermutlich geht es anderen Lesern ebenso. :bang:

Gibt es in den Tiefen des www Erfahrungsberichte anderer Patienten zu dieser Klinik? Wenn das so wäre, hätte eine Beschwerde vielleicht größere Aussicht auf Erfolg. Wie heisst übrigens dieses tolle Haus? Nur, damit andere gewarnt sind.

Über die Ausstattung von Gästezimmern mag man unterschiedliche Vorstellungen haben, aber die medizinische Versorgung und Sicherheit der Patienten hat oberste Priorität. Wenn das gegeben ist, wäre ich gern bereit, über andere Mängel hinwegzusehen. Aber so... Man mag nicht darüber nachdenken, welche Kosten so ein Aufenthalt verursacht. Und was ist die Gegenleistung??? Offenbar wird über die Patientenbelegung saniert. Strukturell und finanziell.

Ich kann nichts für dich/für euch tun, außer 'da sein' und zuhören - und Daumen drücken. Es scheint nötig zu sein...

Von Herzen alle guten Wünsche für Euch beide!
Margret

P.S.: Noch eine Umarmung nötig? ->*uff* :wink:

  • Kai
  • 165 Beiträge seit
    02 Februar 2011
Vielen Dank Andrea und Margret für eure Antworten.

Ich bin keineswegs über, die Anzahl von zwei Antworten überrascht. Ich habe ja lediglich meinen Frust durch meinen letzten Bericht hier abgeladen. Der Text enthielt ja nicht wirklich eine Fragestellung, auf die ich eine Antwort erwartet habe. Zwischenzeitlich ist der Thread ja auch recht lang, wenig fachlich und doch sehr egozentrisch. Zudem gehe ich selbst ja wirklich äußerst selten (bisher nur einmal) auf andere Beiträge ein. Ich hatt zunächst überlegt einen Beschwerdebrief an die Klinik zu formulieren, habe aber dann doch davon abgesehen. Durch den Bericht hier im Forum konnte ich dann aber dennoch "Dampf ablassen". Vielen Dank dafür.

Die Klinik möchte ich nicht öffentlich benennen. Aber über das Zitat der Webseite der Klinik aus meinem letzten Bericht, sollte sich die Klinik schnell ermitteln lassen.

Im Moment versuchen wir das Beste aus der Situation zu machen. Seit dem 1. April bin ich wieder angefangen zu arbeiten. Ich bin Nachts bei Heike, arbeite vormittags 4 Stunden und bin dann ab Mittags wieder in der Klinik.

Unser gemeinsames Ziel ist jetzt, dass die Kanüle aus Heikes Hals entfernt wird. Dafür muss Heike sicher Aspiration (Verschlucken von Eigensekreten) vermeiden. Dann können wir wiederum in einen anderen Bereich der Klinik wechseln.

Allseits noch ein schönens Restwochenende
Kai-Uwe

  • Kai
  • 165 Beiträge seit
    02 Februar 2011
...mal wieder ein kleines Lebenszeichen von uns :wink:
Nach wie vor hausen wir in der "Abstellkammer". Wir haben versucht es uns etwas gemütlich zu machen. So gut es ging, haben wir versucht das Zimmer, mit Bilder und kleinen Accessoires , ein wenig aufzupeppen. Seit Kurzem gehört auch eine Kaffemaschine dazu.
Aber das Wichtigste: Heke macht nach wie vor täglich Fortschritte. Mit dem Therapieangebot sind wir jetzt auch zufrieden. Und wenn man selbst ein wenig auf die Medis, Nahrung, Inhalation usw. achtet, ist das auch i.O.
Mittlerweile kann Heike die Arme und Beine wieder bewegen. In den Fingern verfügt sie über so viel Feinmotorik, das sie schreiben kann und die TV-Bedienung benutzen kann. Die Zeiten in denen ich mit ihr über einen Sprachaufsatz sprechen kann, sind mittlerweile auf einige Stunden am Tag ausgedehnt. Mittlerweile kann sie auch wieder schlucken, so dass einige unserer Ziele für 2011 schon abgehakt werden konnten. Ehrlich gesagt, habe ich nicht damit gerechnet, dass sie so schnelle Fortschritte macht. Folgenden Ziel konnte Heike mit Stolz auf ihrer Liste abhaken:
- Wasser trinken
- eine eiskalte Cola trinken
- Arme & Beine bewegen
- die Bettdecke eigenständig hochziehen
Durch diese Fortschritte ist jetzt bei uns beiden die Angst gewichen. Heike kann die "Schwesternklingel" problemlos betätigen und sich durch Gestikulieren, Aufschreiben oder auch zeitweise durch Sprechen verständigen. Dadurch fällt es mir jetzt morgens leichter, sie zu verlassen. Der halbe Tag im Büro ist in der Regel in windeseile um. Heike wird währenddessen in den Therapien gefordert.
Als nächste Ziele stehen sie Entfernung der Trachialkanüle und eigenständiges Stehen an. Wenn alles gut verläuft könnte die Kanüle nach Ostern entfernt werden. Damit Heike wieder stehen kann wird aber wohl noch viel trainiert werden müssen.
Hinsichtlich der Grunderkrankung habe ich z.Zt. nur die Konzentration an Gesamteiweiß im Blick. Da bin ich mir nicht ganz sicher, ob das ausreichnend ist. Um eine Bestimmung der Leichtketten durchzuführen, ist da eine s.g. Elektropherese des Eiweißes erforderlich? Nachdem das Gesamteiweß zunächst bis auf 110 angestiegen war, ist es jetzt mit einem Wert unter 90 sogar wieder rückläufig gewesen. Neben den ganzen negativen Vorkommnissen in der Klinik, werden wir von einem Oberarzt betreut, dem Heike sehr vertraut. Zur Stabilisierung der Knochen wurde jetzt sogar wieder Bisphosphonat vom Arzt verabreicht worden.
Zwischenzeitlich hat Heike erkannt, wie kritisch die Situation um sie stand. Sie erkennt jetzt auch selbst ihre Fortschritte und freut sich darüber. Ein wenig beschreibt die positive Tendenz die Situation, dass Heike bereits einen Friseurtermin und einen Maniküretermin hatte.
Typisch Frau. Und ich freue mich mit ihr. :)

Ich wünsche allseits einen schönen Start in die neue Woche
Kai-Uwe

  • thea
  • 127 Beiträge seit
    03 November 2009
Es freut mich sehr für euch, weiter so !!!!!

Friseur ist wichtig !!!!!! *lach

Schöne Ostern und LG, Thea