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Callosum62 antwortete auf NW Lena
22 März 2025 01:23
  • Callosum62
  • 251 Beiträge seit
    18 September 2023
Hallo, miregal,

meinst Du: "Defining the Optimal Duration of Lenalidomide Maintenance after Autologous Stem Cell Transplant – Data from the Myeloma XI Trial", also die Studie von 2022? Oder in deutscher Sprache: "Bestimmung der optimalen Dauer der Erhaltungstherapie mit Lenalidomid nach autologer Stammzelltransplantation – Daten aus der Myeloma-XI-Studie".
Nachdem, was ich da verstanden habe, sind die Ergebnisse aber nicht so eindeutig. In der Diskussion kommen die Autoren zu folgender Schlussfolgerung (mal ins Deutsche übersetzt):
"In dieser Analyse gibt es eindeutige Hinweise darauf, dass die Fortführung der Lenalidomid-Erhaltungstherapie über 3 Jahre hinaus mit einem verbesserten PFS verbunden ist, was die jüngsten Ergebnisse der DETERMINATION- und STAMINA-Studien unterstützt. Es scheint jedoch eine Zeit nach der ASZT zu geben, in der die fortgesetzte Erhaltung möglicherweise keinen anhaltenden Nutzen mehr gegenüber der Beobachtung hat. Die aktuelle Analyse legt nahe, dass die Auswirkungen zwischen 4 und 5 Jahren bei allen Patienten nachließen, früher in der Untergruppe der Patienten mit MRD- nach ASCT. Eine kontinuierliche Langzeitnachverfolgung dieser und anderer Studien ist erforderlich, um den optimalen Zeitpunkt festzulegen, zu dem eine randomisierte Studie zum Absetzen oder Fortsetzen der Erhaltung durchgeführt werden sollte."
Keine Ahnung, ob eine solche Studie mittlerweile durchgeführt worden ist - weißt Du da mehr, ich leider nicht.
Jedenfalls wird in der Studie deutlich, dass diejenigen MM-Patienten, die das Glück hatten, direkt nach der ASZT MRD-Negativ zu sein, nicht so lange profitieren. Aber m.E. nicht, weil L bei denen nicht wirken würde, sondern weil sie es schlicht und einfach durch das tiefe Ansprechen gar nicht so unbedingt brauchen. Nur: Wer von uns MM-Veteranen weiß das schon, ob er direkt nach ASZT MRD-Negativ war - bei mir wurde eine solche Diagnose jedenfalls nicht durchgeführt. Man kann ja auch im Verlauf der Erhaltungstherapie erst MRD-Negativ werden, u.a. auch durch L. Und: Wenn, wie die Autoren schreiben, die Auswirkungen von L "nachlassen" (also L "möglicherweise" keinen Nutzen mehr hat), heißt das zumindest nach meinem Sprachverständnis nicht, dass diese dann völlig verschwunden sind. Und wenn das erst nach 4-5 Jahren passiert (nicht nach 3-4), dann kommen wir - soweit ich weiß - ungefähr auf die mittlere Remissionszeit nach ASZT, und danach ist es eh egal, weil man dann ja L-Refraktär geworden ist.
Wir haben in unserer SHG übrigens zwei Teilnehmende, die - weiß der Geier, warum - seit 10 Jahren nur L bekommen, sonst nichts, und damit seitdem in Remission verblieben sind, und es nach ärztlicher Anweisung aber nicht absetzen sollen. So unterschiedlich ist das in der MM-Welt.
Im Hinblick auf die Nebenwirkungen von MM-Medis meinst Du wahrscheinlich auch die Keratopathie unter Belantamab Mofoditin, das ist aber mitnichten eine Blindheit, sondern ein Verschwommensehen, und das lästig und kann ziemliche Ängste auslösen, ist in den meisten Fällen aber rückläufig, wenn das Medikament abgesetzt wird, zuweilen sogar durch vorherige Dosisanpassung in den Griff zu bekommen.
Eine CAR-T-Zelltherapie kann auch neurologische Nebenwirkungen oder sekundäre Tumore zur Folge haben, das ist richtig (übrigens auch Herzprobleme). Allerdings können die akuten Nebenwirkungen wie CRS oder ICANS mittlerweile gut behandelt werden, und nach dem, was ich vor meiner CAR-T-Zelltherapie gelesen habe, ist die Auftretens-Rate von Sekundär-Tumoren gegenwärtig nur bei 1-2 % der Patienten beobachtet worden. OK, das sind 1-2 % zu viel, und in der Forschung versucht man wohl, diesbezügliche Risikofaktoren zu finden. Mich persönlich haben aber die 98 % überzeugt, die keinen Sekundärtumor bekommen haben...

Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)

miregal antwortete auf NW Lena
22 März 2025 09:00
  • miregal
  • 1025 Beiträge seit
    17 Mai 2019
Klar ist CAR-T und Bi-AK keine Erhaltung. Aber das sind dann notwendige Alternativen wenn keine Erhaltungen toleriert werden und es früher zum Rezidiv kommen sollte. Die Sekundärkrebsgefahr liegt bei bis zu 5%, auch bei der CAR-T Therapie tritt sie jetzt durch steigende Patientenzahlen häufiger auf. Das liegt eben an den hämatotoxischen (immunsystem unterdrückenden) Wirkungsweise der Behandlungen. Das bedeutet, das Immunsystem kann durch Zellteilung verursachte Mutationen nicht mehr rechtzeitig erkennen und diese mutierten Zellen ausreichend eliminieren.

miregal antwortete auf NW Lena
22 März 2025 09:17 - 22 März 2025 09:43
  • miregal
  • 1025 Beiträge seit
    17 Mai 2019
Hallo Callosum, es wurde ja die PFS und OS mit den verschiedenen Erhaltungen verglichen. Das war ein Abstract auf dem ASH2022 (link nicht mehr verfügbar, nur noch die Tabelle). Wenn, wie ich bereits beschrieben hatte, die verlängerte Immunsystemunterdrückung eine erhöhte Sek undärkrebsrate steigert, steht dies im Widerspruch zur Wirksamkeit der Erhaltung für das MM. Also bei MRD- Patienten ist der Break even etwa ein Jahr früher wie bei de n übrigen Patienten. Man hört also früher auf, weil sonst die anderen Risiken den Gewinn durch die Erhaltung überwiegen. Und es muss nicht nur die Sekundärkrebsrate beinhalten, sondern auch die anderen Nebenwirkungen , also z.B. Nierenschädigung , was dann eine spätere Therapie negativ beeinflusst. Eine MRD Bestimmung kann z.B. auch durch PET-CT oder MRT bestimmt werden, und nach neuesten Forschungen aus dem Blutserum über PCR. Letzteres muss aber AFAIK bereits bei Behandlungsbeginn durch genetisches Screening eingeleitet werden, also man muss vorab wissen, wie die unnützen Immunglobuline bzw.Leichtketten sich von den "Guten" unterscheiden um sie mit PCR Technik verstärken zu können. PCR wurde bekannt bei Corona, wo man die Gensequenzen der Viren im Abstrich nachwies.
Letzte Änderung: 22 März 2025 09:43 von miregal.

Callosum62 antwortete auf NW Lena
22 März 2025 13:44
  • Callosum62
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    18 September 2023
Hallo, miregal,

5 % Sekundärkrebsgefahr nach CAR-T-Zelltherapie sind für mich persönlich immer noch tolerabel, da sind ja 95 % auf meiner Seite, es gibt schlechtere Szenarios. Aber ich habe auch gut reden, ich fühle mich 8 Wochen nach Carvykti gerade sauwohl, und momentan ist da noch nichts Gemeines im Anflug, von dem ich wüsste. Die Blutwerte sehen jedenfalls gut aus. Alle Alternativen zur CAR-T, also bis zur Abnutzung DKd oder was weiß ich für Medikombinationen sowie bispezifische AK, das alles ist auch nicht so der "Dschungel Borneos" und sicher auch nicht nebenwirkungsarm. Allein schon das ewige Dexa... Und es ist für mich jedenfalls richtig prima, nach Carvykti momentan nur noch alle 4 Wochen, später im Jahr alle drei Monate zur Kontrolle und Bisphosphonat/Gamunex-Gabe in die Klinik zu müssen. Und nicht mehr in einem Monat sprich einem Zyklus Immungtherapie bis zu 6 Mal. Süße Remissionszeit, jetzt kann der Frühling/Sommer gerne kommen.
Im Hinblick auf die Dauer der Lena-Gabe sprechen wir wahrscheinlich von derselben Studie, die kann man sich unter dem von mir genannten Titel auch aus dem Internet ziehen. Ja, eine MRD-Diagnostik als Standard wäre schön, egal womit, gerne auch aus dem Blut mit der Massenspektrometrie, wie Prof. Beilhack das in Würzburg macht. Aber leider, leider, leider steht in der S3-Leitlinie zum MM diese Untersuchung nicht als "Muss", d.h. die Kostenträger müssen das auch nicht bezahlen. Tun sie auch nicht, außer bei den Privatversicherten. Daher bekommt außerhalb von Studien kaum ein gesetzlich versicherter MM-Kollege nach der ASZT eine MRD-Diagnostik, und damit wissen die meisten auch nicht, ob sie direkt danach MRD- waren. Und nur für die anfänglich (und nicht erst im Verlauf gewordenen) MRD-Negativen gilt die beschriebene ungünstigere Risikoabwägung für eine länger als dreijährige Einnahme von L. Ich selbst habe meine MRD-Diagnostik erst 4 Jahre nach der ASZT bekommen, mit viel Betteln und Schmeichelei, und als absolute Ausnahme, und da wurden die Knochenmarkbröckel in eine laufende Studie reingesneakt... Bleed, wie wir hier in Franken sagen... Ich für mich glaube jedenfalls (beweisen kann ich das nicht), dass mir die längere Einnahme von L ein bis zwei Jahre längere Remissionszeit geschenkt hat. MM-Kollegen aus meiner SHG, die ein ähnliches MM haben wie ich, waren jedenfalls deutlich früher dran (3-4 Jahre) mit dem Rezidiv. Das kann aber natürlich auch ein Zufall sein. Psychologisch ist es jedoch so: Weil man es als "früher Rezidivler" ja nicht wissen kann, ob die kurze Remissionzeit doch was mit dem Absetzen von L zu tun haben könnte, braucht es schon gute Dissonanz-Reduktionsstrategien, um sich nicht ein Loch in den Bauch zu ärgern. Aber hinterher ist man ja immer klüger...

Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)

miregal antwortete auf NW Lena
22 März 2025 15:20 - 22 März 2025 15:21
  • miregal
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    17 Mai 2019
Hoffen wir alle das Beste. ASZT und die ganzen anderen Therapien sind alle nicht nebenwirkungsfrei. Aber oft hat man keine Wahl bzw. die Vorteile überwiegen das Risiko. Es ging aber hier ursprünglich um die Lenalidomid Nebenwirkungen. Und die sind vergleichsweise harmlos im Vergleich zu 2-5% Todesrate. M.E. macht eine MRD Bestimmung vor Absetzen einer Erhaltungstherapie Sinn, zB. 1 -2 Jahre nach Beendigung der Primärtherapie oder einer Dauertherapie ("anhaltende MRD Negativität") was ein Kennzeichen für eine langanhaltende Remission ist. Lena ist inzwischn zu billig um damit eine PET-CT aus Kostenersparnis zu rechtfertigen (knapp 3000€). Bei einer Dara Dauertherapie kann sich das schon allein aus Kostengründen lohnen. Das unabhängig vom Krankheitsstaging
Letzte Änderung: 22 März 2025 15:21 von miregal.

miregal antwortete auf NW Lena
25 März 2025 18:12
  • miregal
  • 1025 Beiträge seit
    17 Mai 2019
hier noch ein Link zu den sekundären Krebserkrankungen
pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7544243/

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