AMMonline

     

29 Apr. 2024 16:24
  • Micha88
  • 153 Beiträge seit
    23 September 2015
Hallo,
ich habe folgendes Problem. Ich bin seit 05/23 in der Erhaltungstherapie mit Lenalidomid 10mg. Leider hat sich mein Gesundheitszustand seit dem fortlaufend verschlechtert, anfangs waren es "nur" Hautprobleme, Polyneuropathien, mittlerweile sind extreme Kurzatmigkeit und Müdigkeit, Übelkeit, Kreislaufprobleme mit kaltem Schweiß hinzugekommen.
Letztes Jahr konnte ich mit einer 3-wöchigen Reduktion auf 5mg die Nebenwirkungen stark reduzieren, auch eine einwöchige Pause hat gut geholfen.
Vor 1,5 Wochen hat die UK Heidelberg mich angerufen, dass meine Leberwerte sehr schlecht sind (GGT,GPT und GOT) und ich erstmal 2 Wochen mit Lena pausieren soll. Leider hat sich diesmal keine körperliche Besserung eingestellt (liegt vielleicht auch an den schlechten Leberwerten!)

Heute war ich bei meinem ansässigen Hämatologen und hatte ihn aufgrund der körperlichen Probleme gebeten, mich vorerst krankzuschreiben. Antwort: "er könnte mich mal 3-4 Tage krankschreiben, längere Zeit geht nicht, da wäre dann der Hausarzt zuständig! (Das sehe ich ehrlich gesagt nicht so, der kennt sich mich dem Myelom überhaupt gar nicht aus!)

Für mich bedeutet das im Umkehrschluß, entweder ich kann mit der Erhaltungstherapie arbeiten gehen, oder ich muss sie halt absetzen. Ein GRUND für eine längerfristige Krankschreibung ist sie jedenfalls nicht, ist halt keine aktive Therapie. Ich bin ziemlich entsetzt, zumal ich bereits nicht mal 3 Monate nach der 2. Hochdosis wieder arbeiten gegangen bin, aber ehrlich gesagt ging es mir da viel besser als zur Zeit!

Wie ist das bei Euch, hattet ihr auch mal solche Schwierigkeiten?

PS: Leider habe hier auch bzgl. der onkologischen Arztwahl keine wirklichen Alternativen.

LG
Michael

Viele Grüße
Michael

Erstdiagnose 11/2015
z.Zt. 3 Wochen nach CAR-T Therapie

29 Apr. 2024 16:41
  • Vasya
  • 17 Beiträge seit
    18 September 2023
Hallo Michael,

dein Hausarzt kann Dich selbstverständlich krank schreiben das ist überhaupt kein Problem. Er hat ja Deine Diagnose und mehr braucht er nicht.

Viele haben ja Ihre Onkos nicht vor Ort da macht das läuft das ha auch über den HA. Der bekommt ja auch die Briefe von daher würde ich mich überhaupt keine Sorgen machen wer das macht ist am Ende auch egal.

Viele Grüße
Simone

30 Apr. 2024 09:38
  • Sunny
  • 584 Beiträge seit
    07 Januar 2024
Hallo Michael,
ich kann mich Vasya nur anschließen, dein Hausarzt kann dich problemlos auch länger krankschreiben. Er hat die Unterlagen und die Diagnosen vom Hämatologen/ Onkologen, mehr braucht er dazu nicht. Mein Mann wurde noch nie vom Onkologen krankgeschrieben, das macht bei ihm grundsätzlich immer der Hausarzt.

Also mach einfach einen Termin bei deinem Hausarzt aus.

Herzliche Grüße, Sunny

Genieße deine Zeit, denn du lebst jetzt und heute. Morgen kannst du gestern nicht nachholen und später kommt früher als du denkst.

30 Apr. 2024 10:54
  • Franziska123
  • 535 Beiträge seit
    08 August 2018
Hallo

genau so ist es.

Viele Grüße

25 Juni 2024 13:04
  • Alfred
  • 10 Beiträge seit
    25 Juni 2024
Hallo an alle,

ich hatte das Medikament bei meiner ersten Hochdosis mit Stammzelltherapie und kurzer Konsolidierungsphase (6 Wochen) in der Erhaltungstherapie schon einmal im März 2015 nach 6 Monaten abgesetzt. Jetzt habe ich es nach meiner zweiten Hochdosis mit Stammzelltherapie und kurzer Konsolidierungsphase (6 Wochen) im Juni 2024 abgesetzt. Mal sehen ob ich jetzt wieder 9 Jahre eine gute, gesunde Lebensphase schaffe und das ganz ohne die Geliebte Lena.

Ich bin der Chef meiner Erkrankung. Ich nehme aber gerne die Hilfe der Ärzte, wenn sie es gut mit mir meinen, an. Ohne diese Hilfe wäre ich schon tot.

Die Gretchenfrage bei der Einnahme von Lenalidomid lautet: Ist Dir dir Deine Lebensqualität wichtiger als ein progressionsfreies Leben?

Erleichtert sich die Antwort, wenn Du weißt: Eine Erhöhung der Gesamtüberlebenszeit durch die Einnahme von Lenolidomid in der Erhaltung ist nicht valide durch Studien abgesichert ist. Wenn das falsch sein sollte, bitte ich an dieser Stelle um geeignete Nachweise. Ich bin gespannt.

Wenn Du zudem noch in Deine Betrachtungen einstellst, dass Du womöglich unter der Einnahme von Lenalidomid dann keinen Sport mehr machen kannst. Was bedeutet es keinen Sport mehr machen zu können oder stark eingeschränkt zu sein? Lebt man da länger? Ich denke nicht. Sport kann ein Krebsmedikament ersetzen.

Vielen Dank an die Leser und Leserinnen. Schreibt doch hier, wenn ihr Kritik oder Ergänzungen machen wollt.

Gruß Alfred

25 Juni 2024 21:02
  • Callosum62
  • 251 Beiträge seit
    18 September 2023
Hallo, Alfred,

zunächst einmal hast Du recht: Ich kenne keine Studie, die eine höhere Gesamtüberlebenszeit (OS) mit Lenalidomid gegenüber ohne Lenalidomid in der Erhaltungstherapie signifikant nachweist. Die Studien für das deutlich längere progressionsfreie Überleben (PFS) sind aber eindeutig, wenn Du das nachlesen, möchtest, bitte sehr (in der Regel Remission doppelt so lang mit Lenalidomid):
Philip L. McCarthy et al. 2017. Lenalidomide Maintenance After Autologous Stem-Cell Transplantation in Newly Diagnosed Multiple Myeloma: A Meta-Analysis. JOURNAL OF CLINICAL ONCOLOGY, VOLUME 35, NUMBER 29, OCTOBER 10, 2017.
Charlotte Pawlyn et al. 2022. Defining the Optimal Duration of Lenalidomide Maintenance after Autologous Stem Cell Transplant - Data from the Myeloma XI Trial. Blood (2022) 140 (Supplement 1): 1371–1372.
Wenn Du 9 Jahre Remission nach der ASZT hattest, dann gehörst Du zu den absoluten Ausnahmen. Schön für Dich, gute Gene eben, aber das ist keine Blaupause für die meisten von uns, und das ist keine Meinung, sondern ein wissenschaftlich bewiesener Fakt. Gut für Dich: Du warst aktuell vor Deiner zweiten ASZT nicht Lenalidomid-refraktär, von daher wird das jetzt wieder gut gewirkt haben. Und naklar wünsche ich Dir weitere 9 Jahre nach der zweiten ASZT. Du hast vielleicht ein zahmes, noch relativ nettes MM. Sei froh darüber, aber das kann man sich nicht aussuchen. Sport ist da nicht die Ursache dafür, das schreibe ich noch mal unten.
Jetzt kann man sich fragen: Wenn das Lenalidomid nur das PFS deutlich verlängert, nicht aber das OS - warum dann einnehmen das Zeug und die Nebenwirkungen hinnehmen? Nun, das mittlere Diagnosealter bei einem MM ist 70 Jahre. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei Männern und Frauen so bei 80 Jahren. Auch ein frühes MM-Rezidiv, also so nach 2-3 Jahren (oft ohne L), ist mittlerweile sehr gut behandelbar, so dass viele ältere MM-Kollegen mittlerweile auf 10 Jahre OS kommen. Und dann sind sie eben 80. Schau Dir mal die neuen Zahlen vom EHA-Kongress an, wie lang da mittlerweile die Remissionszeiten sind, im übrigen auch bei nicht transplantierbaren Patienten.
Ein Immunmodulator in der Erhaltungstherapie kann übrigens auch wirksam verzögern, wenn auch nicht vielleicht ganz verhindern, dass ein MM - wenn es denn schon nicht aktiv wird - im Hintergrund ohne Symptome heimlich still und leise mutieren könnte, Tochterklone in anderen Bereichen des Knochengerüstes bildet (kannst Du nachlesen bei Prof. Dr. Leo Rasche aus Würzburg) oder in den prognostisch ungünstigen extramedullären Zustand übergeht. Es reicht im übrigen eine einzige MM-Zelle, die überlebt und sich einnistet. Wie beim Beginndes MM, wahrscheinlich vor vielen, vielen Jahren auch. Das sind alles schleichende Prozesse, die sich über Jahre entwickeln, und die man natürlich nicht messen kann und auch nicht mitbekommt.
Wer mal wie ich fast 7 Jahre Remissionszeit hatte, weiß die Lebensqualität sehr zu schätzen, nicht lebensbegleitend eine MM-Behandlung durch Infusionen oder Spritzen absolvieren zu müssen, auch, wenn die Behandlungsfrequenz dieser Therapien sich irgendwann verlängert. Alle drei Wochen nur Kontrollen und Erhaltungstherapie, das ist für die Lebensqualität ein echter Bringer. Und natürlich muss man die Dosis von L und die Frequenz anpassen an das aktuellen Wohlbefinden, wir wollen ja mit der Erkrankung leben und nicht für die Erkrankung.
Für die "jüngeren" MM-Erkrankten unter uns, ich sage mal, so ungefähr 65 und jünger, gilt m.E.: Je länger das PFS, desto später erst sind Folgetherapien und weitere Behandlungslinien notwendig, nach 4 Jahren erster Remission nach ASZT sogar mit deutlich verbesserter Erwartung für ein tiefes Ansprechen der nächsten Behandlungslinien. Es ist nämlich so: Jede weitere Behandlungslinie hat zumindest nach aktuellem Wissenstand statistisch eine etwas schlechtere Ansprechrate und das PFS ist weniger lang, als nach einer ASZT. Das ist selbst bei CAR-T so. Es gilt also, das PFS möglichst lange auszudehnen, um erst spät mit den nächsten Behandlungslinien anzufangen. Die Forscher sind deswegen auch da dran, zu schauen, wie man die Erhaltung strecken kann, z.B. in der CASSIOPEIA Studie: Die Induktionstherapie D-VTd wurde nach der autologen Stammzelltransplantation durch eine Konsolidierung auch mit D-VTd ergänzt. In der Erhaltungstherapie wurde dann neben Lenalidomid zusätzlich alle 8 Wochen auch noch Daratumumab gegeben, also D-R. Zuerst war keine Verbesserung im progressionsfreien Überleben feststellbar, aber nach 80 Monaten dann doch. Manchmal braucht es einen langen Atem in Langzeitstudien. Und 80 Monate sind ja mehr als 6 Jahre! Also reine Erhaltung, und in der Studien wurde das OS für viele gar nicht erreicht, das geht also noch länger.

Und jetzt mal ganz im Ernst: Sport kann kein Krebsmedikament ersetzen. Niemals! Sport ist wichtig als Komplementärmethode, das bedeutet, es ist hilfreich und unterstützend, weil ein Körper mit guten Vitalfunktionen (z.B. Herz und Lunge) sich nicht nur gegen Krebs besser wehren kann (Sport verbessert nachweisbar das Immunsystem und die Blutbildung), sondern auch die Nebenwirkungen der Chemo- und Immuntherapie besser wegsteckt. Und die Folgeerscheinungen des Knochenabbaus können durch Bewegung viel besser ausheilen. Das weiß ich aus Studien, aber auch aus eigener Erfahrung - ich habe bis zu meiner Diagnose mit 56 Jahren jede Woche mindestens 5 Stunden Sport getrieben. Und versuche auch jetzt zu machen, was ich noch kann. Wie Du immer wieder lesen kannst: Auch Sportler bekommen Krebs, es ist im Verlauf seines Lebens eben jeder zweite Mensch betroffen. Man darf hier nicht falschen Kontroll-Illusionen verfallen und denken, man könne mit Ernährung und Sport Krebs auf jeden Fall verhindern. Das kann im Umkehrschluss nämlich dazu führen, dass man denjenigen, die Krebs bekommen, eine Mitschuld an ihrer Erkrankung attestiert.

Reicht das erstmal an Kritik oder Ergänzungen. Ich hätte natürlich noch viel mehr...

Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)