AMMonline

     

WalterB antwortete auf Nach Allo wieder zuhause
18 Juni 2010 17:22
  • WalterB
  • 0 Beiträge seit
    15 August 2026
Aaaaaalso,

ich habe jetzt eine Antwort von meiner Ärztin bekommen und will sie euch nicht vorenthalten:

Lieber Herr Behner,

sie erhielten eine dosisreduzierte Konditionierungsbehandlung zur
allogenen Blutstammzelltransplantation. Prinzipiell ist das auch eine
knochenmarkaplasiehaltige Behandlung, d.h. die Leukozyten
unterschreiten im Blut den Wert <0,1 G/l. Ohne eine nachfolgende
Stammzelltransplantation kann die Aplasie dann mindestens vier bis
sechs Wochen andaueren. Im Rahmen der dosisreduzierten
Therapie wurden bei Ihnen Medikamente (Treosulfan, Fludarabin)
eingesetzt, die nicht nur das eigenen Knochenmark reduzieren -
damit Platz für die neuen transplantierten Stammzellen schaffen-,
sondern auch gegen das Multiple Myelom wirksam sind.
Antithymozytenglobulin (kurz ATG) wurde zur Konditionierung
eingesetzt, um die im eigenen Körper befindlichen T-Lymphozyten
(Immunzellen) zu binden und damit ihre Immunfunktion zu hemmen.
ATG gehört damit zur Immunsupression, um eine frühe
Unverträglichkeit (GvHD) zu verhindern. Wir haben bei Ihnen die
dosisreduzierte Konditionierung (engliche Abkürzung: RIC)
eingesetzt, um den Effekt der chemotherapeutischen Substanzen
bei Ihrer Erkrankung zu nutzen und um im Vergleich zur einer
klassischen Konditionierung ( "volle Allo" ) die Toxizität (sogn.
Gifitgkeit) und damit das um die Transplantation eintretende
Todesfallrisiko zu verringern. Die klassische Konditionierung besteht
in der Regel aus einer Ganzkörperbestrahlung in 6 Sitzungen und
einem hochdosierten Medikament Cyclophosphamid. Die Art von
Vorbehandlung kommt insbesondere bei jungen Patienten < 55J. mit
akuten myeloischen Leukämien zu Einsatz. Auch bei solchen Pat.
kann unter Umständen eine dosisreduzierten Konditionierung mit
allogener Stammzelltransplantation von Vorteil sein, wenn die Pat.
Vorerkrankungen wie beispielsweise Infektionen hatten. In den
letzten Jahren wurden vergleichenden Studien dazu durchgeführt.
Interessant war, dass es kein signifikanten Unterschied bezüglich
des krankheitsfreien Überlebens erkennbar war. Das heisst,
dosisreduziert ist genauso gut wie die klassische Konditionierung.
Den Grund warum das so ist, sieht man im Transplantat - versus -
Tumor Effekt des neuen Immunsystems. Dieser ist
ausschlaggebend für die Heilung.
Die dosisreduzierte Behandlung (RIC) als auch die klassische
Konditionierung sind myeloablative (knochenmarkabtötende)
Behandlungen.
Die Minitransplantation ist eine Therapie, die auch beim Mulitplen
Myelom eingesetzt wird. Bei Pat. die durch die Vortherapien
geschwächt sind, die unter Begleiterkrankungen (z.B. chronische
Bronchitis)leiden oder Älter als 60 Jahre sind, ist die Art der
Therapie z u bevorzugen. Hier geht die eigene Blutbildung nur
allmählich zurück und gleichzeitig baut sich aus den transplantieren
Stammzellen das neue Blut auf. Die Erkrankung, weshalb die
Transplantation durchgeführt wird, sollte möglichst in einger guten
Remission sein. Auch hier spielt der Transplant-gegen-Tumor Effekt
die ausschlaggebende Rolle in Bezug auf die Heilung, aber man
braucht am Anfang Zeit (ca. 6 Monate), damit sich das neue
Immunsystem voll entfalten kann.

Zusammengefasst kann ich sagen, das Ziel einer jeden allogenen
Stammzelltransplantion ist das Gleiche. Durch die abgestuften
Konditionierungsregime, die in den letzten Jahrzehnten entwickelt
wurden, konnte die allogene Stammzelltransplantation auch
Patienten ermöglicht werden, die bereits viele Nebenwirkungen
durch Vortherapien erlitten haben oder die durch chronische
Erkrankungen zusätzlich gesundheitlich angegriffen sind. Damit
konnte das unmittelbare Todesfallrisiko (sog. peritransplnatäre
Mortalitätsrisiko) durch die Therapie selbst gesenkt werden.

Ich hoffe, ich konnte Ihr Frage verständlich beantworten. Wenn
nicht, bitte um Rückmeldung.

Viele Grüße

A. Klink


Danach ist also noch ein Unterschied zwischen RIC
(dosisreduzierter Allo) und Mini-Allo, wobei die RIC scheinbar
auch als myeloablativ einzustufen ist. Was ich auch nachvollziehen
kann, da bei meiner Entlassung der Chimärismus im periphären
Blut schon bei 98% Spenderzellen lag, also nicht mehr viel vom
alten Immunsystem vorhanden zu sein scheint.

Ich denke, dass damit Vieles klarer ist, oder? 8)

Schöne Grüße, Walter

AndreasR antwortete auf Nach Allo wieder zuhause
18 Juni 2010 17:43
  • AndreasR
  • 0 Beiträge seit
    15 August 2026
Lieber Walter,

danke, dass Du die Antwort veröffentlicht hast! Damit klären sich viele Fragen.

Du hast ja eine tolle Ärztin, die sich die Zeit nimmt, auf Deine Frage so ausführlich zu antworten, das ist leider nicht der Normalfall.

Für mich bleibt nun zu klären, ob ich nach jetzt gängiger Definition eine RIC-allo oder eine mini-allo bekommen habe. Da ich fast genau wie Du konditioniert wurdeTransplantation" verwendet.) Die Frage werde ich übernächste Woche meinem Arzt stellen, auch wenn sie rein akademisch ist und für meine Behandlung keine Bedeutung hat.

Nochmals vielen Dank und Dir alles Gute,

Andreas

rudi antwortete auf Nach Allo wieder zuhause
18 Juni 2010 17:47
  • rudi
  • 2203 Beiträge seit
    23 Oktober 2009
Der Begriff „Mini-allo“-Transplantation ist nicht glücklich gewählt und findet inzwischen kaum noch Verwendung. Die reduzierte Intensität (RIC) bei der Konditionierung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei diesem Verfahren um eine eingreifende Therapie handelt, die nur in die Hände des erfahrenen Transplantationsexperten gehört. Noch ist nicht klar, ob und in welchen Situationen die allogene Transplantation mit Konditionierung reduzierter Intensität längerfristig erfolgreicher oder weniger erfolgreich als die herkömmliche Stammzelltransplantation (Standardtransplantation) ist. Nach derzeitigem Wissensstand ist diese Behandlungsform in den Situationen gerechtfertigt, in denen eine Standardtransplantation aus Gründen der Vorgeschichte, des biologischen Alters, des Gesamtzustandes oder der Grunderkrankung des Patienten nicht möglich erscheint. Für alle übrigen Situationen bemüht man sich derzeit intensiv, die Standardtransplantation mit der Transplantation nach reduzierter Konditionierung im Rahmen von klinischen Studien zu vergleichen, um Fragen nach der optimalen Behandlung für die Zukunft klären zu können.

Heilung ist ein individueller Prozess, der sehr stark an das persönliche Bewusstsein gebunden ist. Daher kann kein Mensch einen anderen Menschen heilen sondern immer nur auf dem Weg zu seiner persönlichen Heilung begleiten.

rudiversal.wordpress.com

sergio antwortete auf Nach Allo wieder zuhause
18 Juni 2010 19:22
  • sergio
  • 479 Beiträge seit
    27 Oktober 2009
Walter,
ein Kompliment an Deine Aerztin fuer diese ausfuehrliche Erklaerung, da scheinst du gut aufgehoben zu sein,
sergio

Sergio

WalterB antwortete auf Nach Allo wieder zuhause
18 Juni 2010 19:39
  • WalterB
  • 0 Beiträge seit
    15 August 2026
Ich bin auch sehr zufrieden mit der Behandlung hier in der Uni-Klinik
Jena.
Besonders beruhigend war auch die Aussage des Oberarztes zum
Thema Kostenübernahme bei nicht standartmäßiger Behandlung
(Zulassung, oder Auto-Allo, o.Ä.). Er sagte, das wäre nicht mein
Problem, denn ER verantworte das und gehe auch gerne mal vor
Gericht! Echt cool! 8)
Außerdem ist er sehr konservativ bei der Pflege, so dass es auf der
KMT nur Einzelzimmer mit Schleuse gibt und bei einer Allo, auch
RIC, bis zum Tag 30 Sterilpflege angesagt ist. Der Effekt mag nicht
sehr groß sein, aber irgendwie ist es beruhigend, finde ich.
Zumindest, so lange man keine Probleme mit der Isolation hat. :-?


leopoldi antwortete auf Nach Allo wieder zuhause
19 Juni 2010 00:11
  • leopoldi
  • 1197 Beiträge seit
    23 Oktober 2009
Hallo,

jetzt kommt langsam Licht ins Dunkel. Danke!
Also sprechen wir nicht von voller Allo, nicht von Mini-Allo sondern von "RIC".

@ Rudi:
Warum widersprichst Du Walter's Ärztin?
Der Begriff „Mini-allo“-Transplantation ist nicht glücklich gewählt und findet inzwischen kaum noch Verwendung.
"Die Minitransplantation ist eine Therapie, die auch beim Mulitplen
Myelom eingesetzt wird. Bei Pat. die durch die Vortherapien
geschwächt sind, die unter Begleiterkrankungen (z.B. chronische
Bronchitis)leiden oder Älter als 60 Jahre sind, ist die Art der
Therapie zu bevorzugen."

Noch ist nicht klar, ob und in welchen Situationen die allogene Transplantation mit Konditionierung reduzierter Intensität längerfristig erfolgreicher oder weniger erfolgreich als die herkömmliche Stammzelltransplantation (Standardtransplantation) ist. Nach derzeitigem Wissensstand ist diese Behandlungsform in den Situationen gerechtfertigt, in denen eine Standardtransplantation aus Gründen der Vorgeschichte, des biologischen Alters, des Gesamtzustandes oder der Grunderkrankung des Patienten nicht möglich erscheint.
"In den letzten Jahren wurden vergleichenden Studien dazu durchgeführt. Interessant war, dass es kein signifikanten Unterschied bezüglich des krankheitsfreien Überlebens erkennbar war. Das heisst, dosisreduziert ist genauso gut wie die klassische Konditionierung. Den Grund warum das so ist, sieht man im Transplantat - versus - Tumor Effekt des neuen Immunsystems. Dieser ist ausschlaggebend für die Heilung."

Somit haben wir mit der RIC die nach heutigem Stand optimale Allo bekommen und zwar nicht wegen irgendwelcher Vorgeschichte oder gar des biologischen Alters (aber hallo! Hier geht's schließlich um Männer in den besten Jahren!), sondern weil sie keinen signifikanten Nachteil gegenüber der vollen Allo hat.
Genau so wollt ich das hören und nicht anders!!! :lol:

LGe
Leopoldi



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