AMMonline

     

leopoldi antwortete auf Stammzellen Entnahme fehlgeschlagen
29 März 2025 11:10 - 29 März 2025 11:12
  • leopoldi
  • 1197 Beiträge seit
    23 Oktober 2009
Hallo Desiree,

die autologen (eigenen) Stammzellen sind nicht die Therapie. Die eigentliche Therapie ist die Hochdosischemo, bei der man die Krebszellen abtötet. Danach brauchts die Stammzellrückgabe um wieder ein Immunsystem aufzubauen.

Anders sieht mans bei allogenen (fremden) Stammzellen. Von denen erhofft man sich neben dem Aufbau eines Immunsystems, dass sie evtl im Körper verbliebene oder wieder auftauchende Krebszellen erkennen und abtöten, quasi neben der Hochdosis noch eine Langzeittherapie.
So wie es ein gesundes Immunsystem im günstigen Fall bei uns allen zeitlebens macht.
Da die allogene Transplantation durch diese Spender gegen Wirt Aufgabe auch immer mit dem Risiko verbunden ist gesunde Zellen abzustoßen, steht sie zur Behandlung des weniger aggressiven Myeloms (im Verhältnis zur akuten Leukämie) nicht unbedingt im Verhältnis. Ich meine man ist heute ganz von der Fremdtransplantation abgekommen.
Bei meinem Mann hat sie gute Dienste getan, jedoch unter Inkaufnahme zahlreicher Nebenwirkungen. Zudem sind seine Rezidive seither immer versteckt aufgetreten, vergleichbar eines isolierten Plasmozytoms.

Ich bin nicht auf dem Laufenden, wollte nur insgesamt die Stammzelltransplantation etwas verständlicher machen.
Meine aber, dass sich hinsichtlich Therapiemöglichkeiten sehr getan hat.

Die Entnahme von Zellen aus dem Beckenkamm wird bei manchen freiwilligen Fremdspendern durchgeführt. Nach meinem Wissensstand sind so gewonnene - nicht durch Wachstumsfaktoren provozierte Zellen weniger effektiv gegen Krebs und werden daher in der Regel bevorzugt nicht gegen Krebs sondern zb bei Immundefekten eingesetzt. Unabhängig davon gehe ich davon aus, dass auch durch eine Beckenpunktion bei Deiner Mama nicht genügend Zellen gewonnen werden könnten. Die Spritzen von Wachstumsfaktoren, in Eurem Fall Mozobil, dienen der Vermehrung von Stammzellen. Dann haben die vielen Zellen im Knochenmark nicht mehr genügend Platz (deshalb Knochenschmerzen) und schwemmen ins Blut, wo sie mittels Apherese geerntet werden. So gehe ich davon aus, dass Deine Mama einfach zu wenig Zellen produziert hat.

Alles Gute für Euch.

LGe
Monika

~ Wenn Du meinst auf der Schattenseite zu sein, denk dran - die Erde dreht sich ~
Letzte Änderung: 29 März 2025 11:12 von leopoldi.

Jockel258 antwortete auf Stammzellen Entnahme fehlgeschlagen
29 März 2025 12:40
  • Jockel258
  • 379 Beiträge seit
    22 September 2022
Hallo Desiree,

es tut mir auch sehr leid, dass bei deiner Mama die Stammzellsammlung gescheitert ist. Aber es gibt natürlich noch viele andere Optionen.
Vor einigen Jahren gab es für solche Fälle noch die Möglichkeit der alogenen Stammzelltransplantation, das heißt, es werden Stammzellen von einem Fremdspender genommen. Diese Therapie birgt allerdings sehr hohe Risiken. Zuerst mal muss man einen geeigneten Spender finden, dann liegt die Überlebensrate nach einem Jahr bei ca 65%, die haben dann aber sehr gute Chancen auf eine lange Remission. Soviel ich weiß, ist es bei anderen leukämie-erkrankungen immer noch unumgänglich.

Heute gibt es für Patienten mit Multiple Myelom aber noch eine ganze Reihe bessere Optionen.
Ich weiß leider nicht, wie die Regeln in Österreich sind. In Deutschland kann man jetzt schon in der zweiten Therapielinie CarT-Zellen bekommen. Man muss lediglich refraktionär auf Lenalidomid sein.

Es gibt auch noch eine Reihe bispezifische Antikörper mit einer sehr guten Wirksamkeit und es kommen ständig neue hinzu.

Ihr solltet euch wirklich umgehend an einen Spezialisten wenden, der Erfahrung mit dem Multiple Myelom hat., ich bin sicher, dass es hier im Forum Leute gibt, die den entsprechenden Ansprechpartner kennen.

Viel Erfolg für deine Mama und gute Besserung

Liebe Grüße, Jockel

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