AMMonline

     

Hochdosis-Chemo wurde erstellt von Muckel
30 Jan. 2025 14:53
  • Muckel
  • 27 Beiträge seit
    22 September 2024
Hallo,
mein Ehemann hat nun nach dem 4. Zyklus mit Dara-VRD eine Komplettremission (Blut, Urin) erreicht. Nun soll die Stammzellsammlung erfolgen und danach die Hochdosis-Chemo.
Ich frage mich jetzt nur eines: Diese Vierfachkombi ist ja erst seit letztem Jahr zur Behandlung in der Erstlinientherapie zugelassen. Warum macht man dann nicht erst 6 Zyklen Dara-VRD und danach eine Knochenmarkbiopsie. Wenn dann eine stringente CR vorliegt könnte man doch in die Erhaltung mit Dara-Lena gehen und erst einmal abwarten wie lange diese CR anhält. Bei einem frühzeitigen Progress könnte man doch immer noch mit einer Hochdosis-Chemo beginnen. Bestehen hier schon irgendwelche Erfahrungen? Mein Mann hatte schon nach 3 Wochen Therapie eine VGPR erreicht und jetzt eben eine CR. Diese Hochdosis bringt ja auch viele Risiken mit sich (Zerstörung des gesamten Knochenmarks, Impfstatus ist weg usw.). Mein Ehemann hat große Angst vor dieser Hochdosis-Chemo und mich beschäftigt eben diese o.g. Frage sehr.

miregal antwortete auf Hochdosis-Chemo
30 Jan. 2025 15:48 - 30 Jan. 2025 16:00
  • miregal
  • 1025 Beiträge seit
    17 Mai 2019
Kurz und knapp gesagt liegt das an den bisherigen Studienergebnissen, woraus sich dann auch die Empfehlungen bzw. Handlungsmöglichkeiten der Ärzte ableiten. in USA gibt es tatsächlich Studien, die eine verzögerte Stammzellentransplantation testen. Über alle Patientengruppen waren die bisherigen Ergebnisse statistisch zugunsten der SZT ausgefallen. Das heißt aber nicht, dass es bei dem Einen oder Anderen trotzdem nötig ist. Bei niedrigem genetischen Risiko (keine hohe Progressionsgefahr) und einer MRD Bestimmung, die negativ ausfallen muss und /oder negativer MRD/Pet-CT untersuchung könnte man darüber nachdenken. Mir wurde damals dringend abgeraten, sogar der Klinikchef hatte mich mehrfach um ein Gespräch gebeten- habs dann also mitten in Coronazeiten gemacht. Immerhin werden bei der HD/SZT die aggressivsten Zellen abgetötet, also auch diejenigen, die trotz CR noch übrig blieben (die Nachweisgrenze liegt nicht bei 0, sondern einigen tausend bis 100000 Krebszellen). Natürlich kann man als Patient die SZT ablehnen, aber das sollte im eigenen Profil gut mit dem erfahrenen Onkologen besprochen werden. Die Vorgeschichte, wie man ins Myelom gerutscht ist, mag da auch noch eine Rolle spielen. Eine über viele Jahre stabile smoldering Situation mag anders aussehen, wie ein plötzlich rapider Übergang zu einem behandlungsbedürftigen Myelom, was eben eher auf agressive Zellen hinweist.
PS was die MRD Bestimmung angeht, ist sie noch nicht Teil einer Kassenleistung und wird auch nur in Studien angewendet. Empfindlichkeit ist aber viel höher wie eine Immunfixation oder ein auszählen unter Mikroskop. Und eine Lenalidomid Erhaltung greift auch die guten Stammzellen an, weshalb man bei verlängerter Einnahme diese nicht mehr ohne weiteres in größerer Menge entnehmen kann. Als Optimum hat sich eben herausgestellt, die Stammzellen früh zu sammeln, dann evtl noch weiter Induktion vor der HD/SZT zu geben und anschließend eine Konsolisdierung bzw. Erhaltung
Letzte Änderung: 30 Jan. 2025 16:00 von miregal.

Doris2460 antwortete auf Hochdosis-Chemo
30 Jan. 2025 16:11
  • Doris2460
  • 685 Beiträge seit
    13 August 2022
Hallo Muckel,

der Sinn der Induktion ist der, dass die Werte sich möglichst gut entwickeln, bevor man in die Hochdosistherapie geht.

Die "Zerstörung des Knochemarks" is ja durch aus gewollt, denn dort sitzt ja unser Feind und je besser er bekämpft werden kann, desto länger die Remission.

Das der Impfstatuts weg ist, da streiten sich die Geister, ist für mich aber ein kleineres Übel, denn die meisten Impfungen hätte ich eh machen müssen. Bei Mumps, Masern, Röteln (Lebendimpfstoff) habe ich die Titer überprüfen lassen und es ist alles noch da.

Ich sehe in der HD gewonnene Zeit, denn deine angedachte Vorgehensweise hält ja nicht für immer.

Die Hochdosis kann total mild verlaufen, bei der Mehrheit (aber die schreiben in der Regel nicht), oder man hat Nebenwirkungen, die aber im allgemeinen aushaltbar sind.

Ich gehöre leider zu denen mit den Nebenwirkungen, aber da ging es darum, dass ich nicht essen und trinken mochte/konnte. Musste dann 2 Tage künstlich ernährt werden, aber davor braucht man keine Angst haten. Außerdem hatte ich ziemliche Durchfälle, ist doof aber auch dass ist aushaltbar. Ich hatte dann auch einen Tiefpunkt und habe mir gedacht, warum hast du dir dass angetan.

Allerdings kaum war ich zu Hause und es ging bergauf, da hab ich dann für mich schon die Entscheidung getroffen, wenn es noch mal sein muss, dann mach ich es wieder. Vergleiche es gerne mit der Situation nach einer Geburt.

Ich kenne auch jemanden, der hatte extreme Angst vor der Hochdosis und seine Frau ebenfalls, er hatte dann einen tag erhöhte Temperatur und das war es.

Wichtig ist meiner Meinung nach, dass der Patient mit der Entscheidung, wenn er sich gegen die Empfehlung der Ärzte, die getroffen wird, auch dann noch leben kann, wenn es nicht so wird, wie erhofft.

Alles gute für euch

Doris
Das Leben geht weiter, selbst wenn es humpelt

betti52 antwortete auf Hochdosis-Chemo
30 Jan. 2025 16:12
  • betti52
  • 644 Beiträge seit
    19 September 2023
Hallo!

Ist der behandelnde Arzt von Deinem Mann ein
MyelomFachmann?

Sonst ggf. auch mal einen solchen aufsuchen,
ggf. auch in einem der ganz grossen Zentren,
wenn da eines davon bei Euch in der Naehe ist, und
das weitere Vorgehen mit dem Besprechen.

Eingefroren Stammzellen halten sich ja recht lange.

D.h. man koennte die evtl. auch entnehmen und
einfrieren, ohne, dass eine unmittelbare Hochdosis
erfolgt, vielleicht sogar gar keine.

>Zerstörung des gesamten Knochenmarks
Ich bin da nicht so der ganz grosse Fachwissenexperte,
aber ich glaube, das ist so nicht richtig, dass das gesamte
Knochenmark zerstoert wird.
Ohne blutbildendes Knochenmark waere glaube ich
ziemlich schnell die Kiste angesagt.

Und dass nach einer Hochdosis komplett alles
an Immunsystem weg ist, bei mir wurde eine
Weile nach der Hochdosis/Stammzellenrueckgabe
der HepatitisB-Titer bestimmt und der war mit
ueber 1000 noch top.
(Andere Titer wurden bei mir bislang nicht bestimmt.)

Alles Gute.

Gruss, Bettina

Konni26 antwortete auf Hochdosis-Chemo
30 Jan. 2025 17:18 - 30 Jan. 2025 17:19
  • Konni26
  • 18 Beiträge seit
    13 Juli 2024
Hallo, es wird schon das gesamte Knochenmark zerstört. Die Bestandteile des Blutes haben ja unterschiedliche Lebensdauer.n. Die roten Blutkörperchen leben z.B 120 Tage und zirkulieren damit auch während der Aplasie noch lange im Blut. Das heisst, dass die Versorgung, der Sauerstoff- Transport , über die Dauer der Aplasie erhalten bleibt. Wenn die alten Erythrozyten dann absterben, hat sich das Knochenmark durch die Gabe der Stammzellen schon längst erholt.

EGAL, WAS AUCH PASSIERT,
NIEMAND KANN DIR DIE
TÄNZE NEHMEN, DIE DU
SCHON GETANZT HAST.
Letzte Änderung: 30 Jan. 2025 17:19 von Konni26.

Callosum62 antwortete auf Hochdosis-Chemo
30 Jan. 2025 17:59
  • Callosum62
  • 251 Beiträge seit
    18 September 2023
Hallo,

die MM-KollegInnen haben viele wichtige Argumente, die für eine Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation sprechen, bereits gut ausgeführt.
Zunächst einmal gibt es eine DVRd-Dauertherapie schon, und zwar bei nicht transplantierfähigen Patienten. Allerdings ist dies eine lebensbegleitende Dauerbehandlung, bei der man im Verlauf über die Zyklen hinweg zwar die Dosis und Häufigkeit der Gaben ändert, nicht aber das Grundprinzip. Es wird also bei diesen Patienten nach meinem Kenntnisstand nicht irgendwann auf Dara-L gewechselt, und das aus gutem Grund, sondern immer weiter mit DVRd weiterbehandelt. Es muss eben immer wieder auf das MM draufgehauen werden. Irgendwann ist DVRd dann schlichtweg abgenutzt, und dann muss mit anderen Medikamenten weiterbehandelt werden.
Dein Mann ist nur CR unter dem Effekt der Medikation, der noch wochenlang anhält, auch, wenn die Medikamente abgesetzt worden sind. Grundsätzlich hat sich aber am MM nichts geändert, da werden irgendwo noch Tochterklone übrig sein, gerne in den Lymphknoten. Bei den meisten von uns lässt dieser Medikament-Effekt jedoch irgendwann nach, und dann kann das MM sich wieder ausbreiten und unbehandelt sogar mutieren. Eine Behandlung nur mit Dara-L ohne ASZT kenne ich nicht und ist auch gegenwärtig gar nicht zugelassen. Da gibt es andere Medikamentenkombis.
Natürlich kann man auch als transplantierfähiger Patient eine Dauerbehandlung machen lassen, aber das empfiehlt sich nicht unbedingt, weil man in der Regel viel progressionsfreie Zeit und jahrelange Lebensqualität verliert. Es ist nämlich ein Unterschied, ob man nur alle drei Monate zur Kontrolle und ggf. Bisphophonatgabe in die Klinik muss, oder dauerhaft in einem 4-Wochen-Zyklus bis zu 6 Mal antanzen darf. Monat für Monat für Monat.
Mal ganz grundsätzlich: Eine MM-Behandlung ist, solange die Behandlung nicht heilbar ist, ein Marathon, in dem es immer wieder darum geht, von Behandlungslinie zur Behandlungslinie möglichst viel Zeit zu gewinnen. Also z.B. mit Induktionsbehandlung, ASZT und Erhaltung erstmal 5 Jahre oder gerne mehr, dann mit CAR-T-Zelltherapie nochmal einige Jahre oder mehr, dazwischen mit Überbrückungsbehandlungen mit noch nicht abgenutzten Medis viele, viele Monate. Dann weitere Zeit ggf. bispezifische Antikörper und was weiß ich, was die in der gewonnenen Überlebenszeit noch alles entwickeln. Denn das tun sie gerade.
Es empfiehlt sich also nicht, Medis vor der Zeit abzunutzen.
Ja, eine ASZT ist kein Zuckerschlecken auf dem Ponyhof, aber beim jetzigen Stand der Forschung gewinnt man durch diese „Rosskur“, wenn sie denn gut funktioniert, was oft der Fall ist, mal so eben 4-5 Jahre Remissionszeit. Für mich war es das wert.

Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)