AMMonline

     

28 Nov. 2024 11:20
  • Sunny
  • 584 Beiträge seit
    07 Januar 2024
Hallo an die medizinisch Bewanderten unter uns.
Ich habe eine generelle Frage zu den IgG nach der Car-t-Zelltherapie. Im Thread gab es bereits eine Diskussion darüber, wann diese Globuline gegeben werden und dass dies in den verschiedenen Kliniken unterschiedlich gehandhabt wird. Bei manchen, dabei auch unsere wird auf den Referenzbereich von 700 und 1600 mg/dl geschaut, bei anderen ist die Empfehlung erst ab 400 mg/dl, bei einigen dann auch nur bei gleichzeitig hoher Anzahl an Infekten.

Nun würde ich gerne wissen, wie die Ärzte begründen, dass erst ab 400 mg/dl IgG gegeben werden, obwohl das weit unter dem Referenzbereich liegt oder ob es in anderen Kliniken unterschiedliche Referenzbereiche gibt.

LG, Sunny

Genieße deine Zeit, denn du lebst jetzt und heute. Morgen kannst du gestern nicht nachholen und später kommt früher als du denkst.

28 Nov. 2024 13:29
  • Stani
  • 371 Beiträge seit
    23 Mai 2021
Hallo, Sunny,

Hier habe ich was dazu gefunden. Sie reden von einem sogenannten Talspiegel von 400 mg/dl

"Bei Patienten mit primärer Hypogammaglobulinämie konnte durch Therapie mit IVIG eine deutliche Abnahme von Infektionen mit Erreichen eines Talspiegels von > 400 mg/dl IgG gezeigt werden (37). Die Daten zur klinischen Wirksamkeit der Substitution von Immunglobulinen beim MM wurden in 2 älteren Studien erhoben. In einer randomisierten kontrollierten Doppelblind-Studie durch Chapel et al. wurde bei 82 MM-Patienten über 12 Monate die Gabe von IVIG mit Placebo verglichen. Es kam unter IVIG seltener zu lebensbedrohlichen Infektionen (19 vs. 38 Episoden, p=0,019). Unter IVIG-Substitution gab es keine Septikämien und keine Pneumonien, verglichen mit 3 Septikämien und 7 Pneumonien im Placebo-Arm (38). Eine Studie mit Crossover-Design bei 25 MM-Patienten zeigte über einen Zeitraum von 2 Jahren unter IVIG gegenüber keiner Substitution ebenso signifikant weniger ernsthafte Infektionen (10 unter IVIG gegenüber 30 ohne Substitution; p<0,002) (39). Die Patienten erhielten in diesen älteren Studien allerdings nicht die heute üblichen antimikrobiellen Prophylaxen oder mittlerweile etablierte Therapeutika wie IMiDs, ProteasomInhibitoren oder Antikörper. Für die Substitution bei MM-Patienten nach autoSCT liegen retrospektive Untersuchungen vor. Ein Vorteil durch eine ungezielte prophylaktische IVIG-Gabe konnte dabei nicht gesehen werden (40, 41). Ist nach autoSCT im Einzelfall eine Substitution mit IVIG oder SCIG indiziert, so wird ebenso das Erreichen eines Talspiegels von > 400 mg/dl IgG empfohlen (42)."

Im Journal Onkologie:

D. Zurmeyer, I. v. Metzler, Universitätsklinikum Frankfurt. 24. Juni 2019 Hypogammaglobulinämie beim Multiplen Myelom

Ich weiß immer nicht, wie ich eine PDF- Datei verlinken kann..... da steht noch mehr Interessantes dazu. Wird aber zu viel Text hier.

Mein Mann bekam gestern Octagam. Der Spiegel war bei 395 mg/dl. Da zögert dann auch unser Ortdonko nicht, selbst wenn mein Mann seit Mai keine Infektion mehr hatte.

Liebe Grüße- Eva

28 Nov. 2024 17:05
  • Sunny
  • 584 Beiträge seit
    07 Januar 2024
Hallo Eva,
vielen Dank für deine Mühe, ich hab mir das durchgelesen, aber so richtig hilft mir das leider nicht weiter, denn das wurde 2018 geschrieben. Seitdem hat sich so manches geändert und vielleicht gibt es längst neue Erkenntnisse. Ich finde es schade, dass man zu diesem Thema so gar nichts findet, sondern nur allgemein gültige Dinge.
Aber das hast du ja auch bereits selbst bei anderen Themen festgestellt, dass manchmal einfach nichts zu finden ist.
LG, Sunny

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28 Nov. 2024 17:45 - 28 Nov. 2024 18:51
  • Stani
  • 371 Beiträge seit
    23 Mai 2021
In diesem speziellen Fall denke ich, dass die Erkenntnis mit dem Talspiegel sich etabliert hat und als ausreichender Anhaltspunkt angesehen wird. Dann finden wir nichts Neues, weil daran nicht weiter geforscht wurde. Zu unergiebig.....
Jeder macht dann Seins damit, weil es vielleicht nicht mal bis in die Leitlinien vorgedrungen ist, sondern sich nur herumgesprochen hat. Vielleicht kannst Du euren neuen Doc voooooorsichtig :-) fragen, was er davon hält....von diesem sogenannten Talspiegel. So hätte ich es versucht, wenn unser Ortsonko es nicht von sich aus berücksichtigt hätte.

Mein Mann hat jetzt, in den 10 Monaten nach der Car-T-Zelltherapie, das 4. Mal Octagam bekommen. Also nicht regelmäßig, unabhängig vom Wert, nicht Schluss nach 8 Monaten, wie bei Jochen und auch nicht nur dann, wenn niedriger als Talspiegel und gehäufte Infekte. Jeder macht Seins.......und wir balancieren dazwischen...oder so...

Liebe Grüße- Eva

So, jetzt habe ich mal direkt bei Octagam geschaut unter Anwendungsgebieten:

"Sekundären Immunmangelkrankheiten (SID) bei Patienten, die an schweren oder rezidivierenden Infektionen leiden, bei denen eine antimikrobielle Therapie unwirksam ist und die entweder ein nachgewiesenes Versagen spezifischer Antikörper (PSAF)* oder IgG-Serumspiegel von < 4 g/l aufweisen."
Letzte Änderung: 28 Nov. 2024 18:51 von Stani.

28 Nov. 2024 20:37
  • Sunny
  • 584 Beiträge seit
    07 Januar 2024
Eva, das ist eine gute Idee, den Arzt vorsichtig auf den Talspiegel anzusprechen. Nur ist der nächste Termin erst in zwei Monaten und die Globuline sollen nächste Woche verabreicht werden. Und das über Octagam ist auch interessant, er bekommt zwar Privigen aber bei dem steht das auch so. Danke für den Hinweis.

LG, Sunny

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28 Nov. 2024 22:04 - 28 Nov. 2024 22:08
  • Mapoli
  • 1728 Beiträge seit
    18 Juni 2011
Liebe Sunny,
in diversen Vorträgen wurde auf die Wichtigkeit der Substitution mit Immunglobulinen nach CAR-T-Zellen hingewiesen. Manche Ärzte sagen, mindestens 4 Monate lang, manche Myelomspezialisten sagen sogar, dass 1. Jahr nach CAR-T-Zellen Immunglobuline gegeben werden sollten. Schriftlich habe ich dazu bisher nichts gefunden. Vielleicht können diejenigen hier, die bereits CAR-T-Zellen bekommen haben, mal in Ihren Entlassbrief schauen und uns berichten.
Da sollte ja bestenfalls die Empfehlung drin stehen. Aber wie auch bei der Impfempfehlung sucht man solche Hinweise oft vergeblich.

Niedergelassene Hämatologen haben das Problem, dass erst bei Nachweis von IgG-Serumwerten <4g/L eine Immunglobulinsubstitution empfohlen wird (siehe auch neue Onkopedialeitlinien MM unter 6.1.3.2.3). Das könnte dann abrechnungsteschnisch schwierig werden. Die Infusionen sind teuer. Wie genau das Verfahren dann ist, wie sie es trotzdem abrechnen können, müsste man beim Art erfragen. Es kostet den Praxen auf jeden Fall mehr Zeit und Mühe... Im Zweifel zur Klinik gehen, in der die CAR-T-Zell-Therapie gemacht wurde.

LG
Ma
Letzte Änderung: 28 Nov. 2024 22:08 von Mapoli.