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Rosa21 antwortete auf Wann impfen nach HD?
07 Aug. 2024 22:58
  • Rosa21
  • 74 Beiträge seit
    24 November 2022
Hallo zusammen,

ich hatte vor einem halben Jahr auch den "Impfmarathon" begonnen, mittlerweile pausiere ich jedoch gerade.
Die Impfschemata, die hier genannt werden, sind, glaube ich, die gängigen, die jeder MM Patient in Deutschland bekommt. Sie dienen als Empfehlung.
Der Grund für meine Pausierung kam folgendermaßen zustande: Leider habe ich auf die zweite Pneumokokken und die zweite Impfung mit Tetanus, Polio usw....extrem allergisch reagiert. Mein Hausärztin hat dann nach einer gewissen Zeit eine Titerbestimmung angefordert. Nun ist es so, dass ich von allem mehr als genug habe.
Ich habe das Ergebnis dieser Titerbestimmung auch mit den Onkologen besprochen und sie waren auch der Meinung, dass ich keine Impfungen mehr brauche. Daher würde ich zu so einer Bestimmung raten. Möglicherweise kann man sich dann doch die ein oder andere Impfung sparen.

Was mir nicht klar ist, ist das Pausieren von Lena vor und nach einer Impfung. Wenn man bei jeder Impfung das Lena pausieren würde, dann befindet man sich mehr in der Pause als das man es noch einnimmt. Außer man möchte die ganze Grundimmunisierung auf drei oder vier Jahre ausdehnen, dann kann man vielleicht bei jeder Impfung eine Pause machen.
Wir MM Patienten müssen ja auch immer noch mit einer "Erkältung" rechnen, dann muss die Impfung auch pausiert werden und mit dem Lena bin ich aber auch gerade in der Pause.. Mir erscheint das merkwürdig.

Liebe Grüße

Callosum62 antwortete auf Wann impfen nach HD?
08 Aug. 2024 06:35
  • Callosum62
  • 251 Beiträge seit
    18 September 2023
Hallo, Rosa,

bei einer nachgewiesenen allergischen Reaktion auf einen Impfstoff bleibt m.E. wirklich keine andere Wahl, als die Impfung vorerst zu pausieren. Titer - schön und gut, aber wie Johannes bereits ausgeführt hat, können die Titer auch nach einer Bestimmung im Nachhinein noch sinken. Von daher wäre die Aussage, "keine Impfungen mehr zu brauchen" für mich persönlich nicht wirklich beruhigend, und ich wäre da in dem Wissen um meine Impflücken sehr vorsichtig während der jahresüblichen Infektionszeiten oder beim Kontakt mit Risikogruppen.
Im Hinblick auf Deine Aussage, wenn man Lenalidomid bei jeder Impfung pausieren würde, wäre man in einem Zwei-Jahres-Zeitraum häufiger ohne Lenalidomid als mit, hilft eine einfache Rechnung. Pneumokokken-Impfung insgesamt 4 mal, macht 8 Wochen ohne L. Grundimmunisierung 6-Fach Impfung 3 mal macht 6 Wochen. Grippe- und Covid-19-Impfung im Herbst (beides gleichzeitig) 2 mal in zwei Jahren macht 4 Wochen. Herpes-Impfung 2 mal macht 4 Wochen. Optional FSME macht zwei Wochen. Wenn man L also jedes mal zwei Wochen absetzt während der Impfungen, dann kommt da in den ersten zwei Jahren schon eine eine lange L-freie Zeit zusammen, also 30 Wochen, das ist richtig. Aber zwei Jahre sind eben 104 Wochen.
Ich habe die ersten 3 Pneumokokken-Impfungen und die 6-fach-Impfung nach 6 Monaten nach der SZT als Kombi durchführen lassen, also zum selben Termin. Und das glücklicherweise auch vertragen, aber das kann man sich ja leider nicht aussuchen. Damit ließen sich jedoch 6 Wochen L-freie-Zeit einsparen. Und ich habe die Herpes-Impfungen und die FSME-Impfungen in das zweite Jahr gelegt, so konnte ich die L-freie Zeit besser verteilen. Im ersten Jahr nach der SZT hat man ja sowieso noch lange ACIC als Herpes-Prophylaxe, und FSME lässt sich vielleicht einigermaßen kontrollieren durch Vorsichtsmaßnahmen.
Aber es ist schon richtig (und gar nicht merkwürdig): Die Sorge bleibt, dass die L-freie Zeit nicht unbedingt günstig ist für ein beständiges Zurückdrängen des MM während der Erhaltungstherapie in den ersten zwei intensiven "Impf-Jahren". Das gilt umso mehr für MM-Kollegen, die kein artiges, also gut behandelbares, sondern ein bösartiges MM haben und das auch wissen. Bei den fiesen MM-Erkrankungen ist das schon eine Überlegung wert, während der Impfungen das L lieber weiter zu nehmen.
Ich kenne die Meinung von Fachleuten, während einer akuten Infektion wie z.B. einer Erkältung (insbesondere viralen Ursprungs) L besser kurzfristig zu pausieren, um unserem "Rest-Abwehrsystem" die Chance zu geben, die Infektion möglichst schnell zu erledigen. Jede Infektion führt ja dazu, dass in unserem Immunsystem mehr B-Zellen gebildet werden, und bei einem MM, das nicht in CR oder VGPR ist, können da eben auch mehr MM-Zellen dabei sein. Ich habe beides in einem Zeitraum von 7 Jahren ausprobiert, also L mal bei einer Erkältung weitergenommen oder abgesetzt, und nach meiner natürlich nicht repräsentativen Erfahrung waren meine Erkältungen ohne L schneller wieder verschwunden. Aber das gilt natürlich nur für mich. Während meiner Erhaltungstherapie musste ich zwei Mal akut in der Uniklinik Erlangen stationär wegen einer Infektion behandelt werden, z.B. mit einer heftigen Blaseninfektion mit E-Coli-Bakterien mit Antibiotika als Infusion. Während dieser Zeiträume wurde L jedes mal abgesetzt.

Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)

Stani antwortete auf Wann impfen nach HD?
08 Aug. 2024 13:29 - 08 Aug. 2024 14:05
  • Stani
  • 371 Beiträge seit
    23 Mai 2021
Hallo, an die Mitlesenden.

Wenn ein vermutlich vernünftiger Arzt sagt, er würde jetzt nicht weiter impfen, wegen allergischer Reaktion, wegen nachgewiesenem, ausreichendem Titer, weil er im " Impfmarathon" für diesen Patienten mehr Gefahr als Nutzen sieht, sollte man ihm besser nicht vertrauen?

Verstehe ich das jetzt wirklich richtig?

Falls ja, ist mir gerade völlig unklar, weshalb ausgerechnet an dieser Stelle Misstrauen angesagt sein sollte. Gilt plötzlich jetzt die eigene Annahme/ Befürchtung mehr als Wissen und Erfahrung des Arztes?

Weiß gerade überhaupt nicht, was ich davon halten soll.....

In der humoralen Immunantwort auf die Impfung bildet der Körper übrigens auch B-lymphozyten. Versucht es zumindest, was z.B. nach Car-T-Zelltherapie eher schwierig ist....

" Die humorale Immunantwort
Zusätzlich aktivieren die T-Zellen die sogenannten B-Zellen (humorale Immunantwort). Ihre Funktion besteht darin, eine auf den jeweiligen Erreger zurechtgeschnittene Immunantwort zu entwickeln. Hierfür produzieren die B-Zellen mithilfe von Plasmazellen Antikörper, die genau auf die Antigene passen. So können die Antikörper an die Antigene binden und die Erreger abfangen, bevor sie überhaupt die Möglichkeit haben in die Zellen einzudringen und sie so zu infizieren. Dadurch wird der Ausbruch einer Erkrankung wirksam verhindert. Im Anschluss daran bildet das Immunsystem auch hier B-Gedächtniszellen, die bei erneutem Kontakt mit dem Erreger sofort Antikörper ausschütten, um den Erreger abzufangen. Das Immunsystem des Impflings ist also nach der Impfung auf den Kontakt mit dem Erreger vorbereitet und kann sich passend verteidigen."

Man könnte sich also durchaus auch fragen, ob das geschwächte Immunsystem diesem Impfmarathon......überhaupt gewachsen ist. Innerhalb von 2 Jahren soll er auf alle möglichen, denkbaren Krankheiten eine Immunabwehr aufbauen und nebenbei das Myelom im Schach halten und mit den Therapien klar kommen.
Manche Ärzte fragen sich scheinbar doch, wie groß denn das Risiko eigentlich ist, diese Krankheiten alle zu bekommen
und ob das Risiko der Impfungen und was diese dem Körper abverlangen, denn wirklich geringer ist....

Man kann natürlich auch einfach Programme abarbeiten, ohne den Einzelnen zu betrachten. Ob das wirklich mehr Sicherheit bringt, für den Patienten. Ich, zumindest, bezweifle das.

Nachdenklicher Gruß- Eva
Letzte Änderung: 08 Aug. 2024 14:05 von Stani.

Callosum62 antwortete auf Wann impfen nach HD?
09 Aug. 2024 00:44
  • Callosum62
  • 251 Beiträge seit
    18 September 2023
Hallo, Eva,

natürlich bildet das Immunsystem bei einer Impfung B-Zellen, das ist ja der Sinn der Sache, nämlich quasi das "Heranzüchten" von B-Gedächtniszellen, damit das erworbene Immunsystem auf bestimmte Erkrankungen vorbereitet wird und ohne großen Zeitverlust bei einer Infektion entsprechende Immunglobuline einsetzen kann. Kann schon sein, dass dabei auch mal eine MM-Zelle mit gebaut wird, keine Ahnung. Aber ich denke, jeder kann sich ausrechnen, dass ein unvorbereitetes Immunsystem für die Bekämpfung von manchmal wochenlang anhaltenden Infektionen deutlich mehr B-Zellen und damit gegebenenfalls auch mehr MM-Zellen herauspumpt, als eine Impfung.
Im Rahmen meiner langjährigen Erkrankung wurden von Ärzten bei meiner Behandlung dann doch einige wichtige Dinge "vergessen" oder im Nachhinein korrigiert oder für mich sozusagen auch als Beruhigung "passend gemacht", so dass ich eine gesunde Skepsis grundsätzlich für durchaus angebracht halte, wenn mir etwas unlogisch erscheint. Ich denke, dass der ein oder andere Arzt da mal überfordert sein kann, weil er im Gesundheitsversorgungsbetrieb nicht jeden Einzelfall immer gut auf dem Schirm hat. Als mittlerweile besser informierter Patient ist auch während meiner aktuell gerade notwendigen Behandlung schon der ein oder andere hilfreiche Hinweis notwendig gewesen, um eine bessere Behandlung zu erfahren, sei es nun das Ansetzen oder die Anpassung der Dosis bestimmter Medikamente oder die Anordnung notwendiger Monitoring-Maßnahmen. Die meisten meiner Ärzte sind da mittlerweile auch nicht mehr ehrenkäsig, sondern nehmen solche Hinweise dankbar auf. Ist ja auch nicht schlecht, da zusammen zu arbeiten.
Skeptisch gegenüber den Aussagen einiger Ärzte bist Du ja auch und bezweifelst z.B., ob ein "Impfmarathon" nach einer Stammzelltransplantation sinnvoll ist oder nicht. Ja, stimmt schon, alles das, was in meiner Generation für das erworbene Immunsystem noch im Wesentlichen in mühevoller "Kleinarbeit" sozusagen durch das Abarbeiten der üblichen Kinderkrankheiten - flankiert nur durch einige immer mal wieder eingestreute Impfungen - über viele Jahre hinweg aufgebaut wurde, nun in zwei Jahre hineinzupressen, scheint mir auch ganz schön verdichtet. Ich habe meinem schönen jahrzehntelang sehr gut funktionierenden erworbenen Immunsystem da doch die ein oder andere Träne nachgeweint. Da beim MM aber sehr häufig die resultierende hohe Infektionsanfälligkeit eines der Hauptrisiken darstellt - es fehlen eben viele, viele B-Zellen und ihre Immunglobuline -, sehe ich für mich keine Alternative, als mich bestmöglich auf fiese Erreger vorzubereiten. Und da ich nicht weiß, was mich als erstes erwischen kann, muss das leider schneller gehen als früher mal. Nur auf das angeborene Immunsystem mein Komplementsystem bzw. meine Neutrophilen möchte ich mich da nicht verlassen müssen.

Folge Deinem Herzen, aber vergiss dabei nicht, Dein Hirn mitzunehmen.
(Alfred Adler)

Krell04 antwortete auf Wann impfen nach HD?
09 Aug. 2024 09:32 - 09 Aug. 2024 11:14
  • Krell04
  • 65 Beiträge seit
    23 April 2021
Hallo
Vielleicht kurz meine Sicht der Dinge.Ich werde in der Uni-Klinik in Graz (Österreich) behandelt.
Ich bin über zwei Jahre nach ASZT.Ich habe bis jetzt keine Impfung bekommen und war seit ASZT auch nicht krank.
Es wurden Titer bestimmt Ich bekomme jetzt nach Rücksprache mit einem Impfexperten nur Impfungen gegen:
Pneumokokken
Influenza
Pertussis(Keuchhusten)
Hepatitis (vielleicht)Titer wird in drei Wochen bestimmt
Mein Immumsystem ist bei über 80%,das wird Berücksichtigt,ein Mitpatient hat eine ganz andere Liste.
Auch mein Hämatologe hält nichts vom sinnlosen Abarbeiten von Impflisten.Eigentlich sollte es Standard sein
individuell nach Patienten zu entscheiden,da die Zustände des Immunsytems stark von Patient zu Patient abweichern.
Grüße Dietmar
Letzte Änderung: 09 Aug. 2024 11:14 von Krell04.

betti52 antwortete auf Wann impfen nach HD?
09 Aug. 2024 10:40
  • betti52
  • 644 Beiträge seit
    19 September 2023
Hallo!

Danke fuer die Infos.

>Mein Immumsystem ist bei über 80%
Woran/an welchem Wert werden diese 80 % fest gemacht?

Gruss, Bettina