1. Was ist ein "Multiples Myelom"?
  2. Wie häufig ist die Erkrankung? 
  3. Wer erkrankt an einem Multiplen Myelom?
  4. Wodurch macht sich ein Multiples Myelom bemerkbar (Symptome der Erkrankung)?

Was ist ein "Multiples Myelom"?

Mit dem Begriff "Multiples Myelom" (MM) wird eine bösartige Erkrankung von blutbildenden Zellen des Knochenmarks bezeichnet, die Teil des Immunsystems sind. Wie bei anderen Krebserkrankungen auch, entsteht die Erkrankung in der Regel durch Entartung von Zellen. Ursprungszelle des MM ist die Plasmazelle. Plasmazellen gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind im Knochenmark, aber auch in anderen Körpergeweben zu finden. Ihre Aufgabe ist die Produktion von Antikörpern (auch als Immunglobuline bezeichnet). Antikörper spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem des Menschen, indem sie an der Abwehr von Viren, Bakterien und anderen Infektionserregern mitwirken. Der Name der Erkrankung beruht auf dem Wachstum von Tumorzellen an vielen Stellen des Knochenmarkes. Lässt sich bei einem Patienten lediglich ein einzelner Krankheitsherd nachweisen, spricht man von einem solitären Plasmozytom. Die Unterscheidung zwischen Plasmozytom und MM ist vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Behandlung dieser beiden Plasmazellerkrankungen essentiell. In Deutschland werden auch von manchen Ärzten beide Begriffe synonym verwendet, was so allerdings nicht ganz korrekt ist. Obwohl bei weit fortgeschrittenen Erkrankungsformen auch Tumorzellen in der Blutbahn nachweisbar sein können, ist die Myelomerkrankung keine Leukämieform. Die Erkrankung wird formal den Lymphomen (Lymphdrüsen-Krebserkrankungen) zugerechnet, obwohl ein Befall von Lymphdrüsen (Lymphknoten) nur selten zu beobachten ist.

Wie häufig ist die Erkrankung?     

Das MM macht rund 1% aller bösartigen Erkrankungen des Menschen aus. Im Vergleich zu anderen Tumorerkrankungen (Brustkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs) ist das MM also eine seltene Erkrankung. In Europa erkranken von 100.000 Menschen pro Jahr etwa 4-5 Menschen an einem MM.

Wer erkrankt an einem Multiplen Myelom?

Das MM ist typischerweise eine Erkrankung des älteren Menschen. 75% aller Myelompatienten sind bei Diagnosestellung älter als 60 Jahre. Anders als bei anderen Krebserkrankungen (z.B. Lungenkrebs durch Rauchen) gibt es kein sicher bekanntes Risikoverhalten, durch welches eine Myelomerkrankung begünstigt wird. Somit gibt es für bösartige Plasmazellerkrankungen auch keine vorbeugenden Maßnahmen, durch deren Einhaltung die Erkrankung zu vermeiden wäre. Die Frage "Warum gerade ich?", die sich sicherlich die meisten Patienten gerade zu Beginn der Erkrankung stellen, lässt sich also nicht beantworten. Das MM gilt nicht als Erbkrankheit, obwohl in sehr seltenen Fällen auch mehrere Mitglieder einer Familie betroffen sein können.

Wodurch macht sich ein Multiples Myelom bemerkbar (Symptome der Erkrankung)?

Beim überwiegenden Teil der Patienten macht sich das MM durch Knochenschmerzen, vor allem im Sinne von Rückenschmerzen, bemerkbar. Obwohl sehr viele Menschen Rückenbeschwerden beklagen, sind diese nur äußerst selten durch eine bösartige Erkrankung mit Beteiligung des Knochens verursacht, weshalb häufig zunächst "Verschleißerscheinungen" (degenerative Veränderungen) des Bewegungsapparates für die Schmerzen des Patienten verantwortlich gemacht werden.

Aus diesem Grund vergehen zwischen dem Auftreten von Knochenbeschwerden und der Diagnose einer Myelomerkrankung häufig Wochen bis Monate. Bei vielen Patienten wird zunächst eine Schmerztherapie (Tablettentherapie, "Spritzenbehandlung") eingeleitet oder versucht, durch physikalische Maßnahmen (Massagen, "Einrenkung") Linderung zu verschaffen. Oft wird die Erkrankung erst bei Auftreten weiterer Symptome der Erkrankung (Beschwerden durch eine Blutarmut, eine Nierenfunktionsbeeinträchtigung, Lähmungserscheinungen im Rahmen von Wirbelkörperbrüchen, eine Kalziumerhöhung im Blut) oder bei Nachweis auffälliger Laborparameter erkannt.

Neben Knochenschmerzen sind mögliche Symptome einer Myelomerkrankung:

  • Zeichen einer Blutarmut, wie Abgeschlagenheit, Antriebsarmut, Luftnot bei Belastung, Reizbarkeit oder Kopfschmerzen (sehr häufig)
  • Infektanfälligkeit mit häufig wiederkehrenden, hartnäckigen Infektionen (seltener)
  • Zeichen einer Nierenfunktionsbeeinträchtigung, wie Gewichtszunahme durch Einlagerung von Flüssigkeit in Körpergewebe (Ödeme; seltener)
  • Zeichen einer Kalziumerhöhung im Blut mit Verwirrtheit und Muskelschwäche (Hyperkalziämie; sehr selten)

Nicht wenige Patienten berichten über auffallend schäumenden Urin. Dies kommt durch eine vermehrte Ausscheidung von Eiweiß mit dem Urin bei vielen Myelompatienten zustande. Immer wieder gibt es auch Patienten, bei denen die Erkrankung zufällig diagnostiziert wird, z.B. nachdem im Rahmen einer Routine-Blutentnahme auffällige Laborwerte festgestellt wurden.

 

Autoren: 

PD Dr. med. Peter Liebisch, aktualisiert und überarbeitet Ende 2015 von Prof Dr. med. Jens Hillengaß (siehe Einleitung).