Welche Patienten sollen behandelt werden?

Die Entscheidung über den Zeitpunkt der Einleitung und die Art einer Behandlung bedarf immer einer sehr ausführlichen Besprechung zwischen behandelndem Arzt und dem betroffenen Patienten. Idealerweise ist zu solch einem Aufklärungsgespräch auch eine vertraute Person des Patienten mit anwesend.

Vereinfachend kann gesagt werden, dass

1. eine Behandlung immer dann in jedem Fall notwendig ist, wenn durch die Erkrankung einem oder mehreren Organsystemen (möglicherweise irreversibler) Schaden droht.

2. bei Patienten mit einem asymptomatischen Multiplem Myelom sowohl eine zur frühe Einleitung einer potentiell nebenwirkungsbehafteten Therapie als auch eine zu späte Einleitung der Therapie mit Auftreten von unten genannten Symptomen vermieden werden sollte.

Daher wurden zusätzlich zu den Faktoren der Organschädigung weitere Krankheitsparameter, so genannte Risikofaktoren oder Erkrankungs-definierende Ereignisse, identifiziert, die das baldige Voranschreiten des Multiplen Myeloms in ein symptomatisches Stadium wahrscheinlich erscheinen lassen.


Die häufigsten Umstände, die einen Arzt dazu veranlassen, dem Patienten eine medikamentöse Therapie anzubieten sind die sogenannten SLiM-CRAB
(Buchstaben des Akronyms sind fett hervorgehoben):

  • Eine durch die Erkrankung bedingte Hyperkalzämie (Erhöhung der Kalziumkonzentration im Blut) – im Englischen „Hypercalcemia“
  • Bereits eingetretene oder durch eine hohe Konzentration von Myelom-Eiweiß im Blut und/oder Urin drohende Nierenfunktionsbeeinträchtigung. Im Englischen „Renal Impairment“
  • Bereits eingetretene oder fortschreitende Blutarmut (Anämie – im Englischen Anemia), selbst wenn diese auf Grund einer langsam fortschreitenden Entwicklung von Patienten noch kompensiert wird, d.h. der Patient keine oder nur wenige Anämiesymptome wie z.B. Luftnot hat.
  • Nachweis von Knochenschäden im Sinne von Osteolysen, selbst wenn diese keine Schmerzen verursachen und keine Bruchgefährdung gegeben ist. Im Englischen „Bone disease“


  • Risikofaktoren bzw. Myelom-defininierende Ereignisse sind

    • Nachweis einer Vermehrung von monoklonalen (kranken) Plasmazellen im Knochenmark von 60% oder mehr - im Englischen: Sixty Percent
    • Eine Ratio der betroffenen zur nicht betroffenen freien Leichtkette im Serum von 100 oder mehr bei einem Absolutwert der betroffenen freien Leichtkette von 100mg/l oder mehr - im Englischen: Light Chains
    • fokale Veränderungen in der MRT-Untersuchung, die lokalen Ansammlungen von Myelomzellen entsprechen - im Englischen: Focal Lesions in MRI


Grenzwerte für die CRAB-Kriterien

CRAB Grenzwerte

Autor: 
Prof. Dr. med. Jens Hillengaß, Universitätsklinikum Heidelberg, Sektion Multiples Myelom der Med. Klinik V
Neufassung Januar 2017