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Neuigkeiten:
Wie man ein
"guter" Patient ist
und
Therapie-erfahrungen einer älteren Patientin (Maria H.) unter
Patientenberichte |
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Das Myelom |
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III. Prognostische Faktoren
Wie ist die Prognose (Krankheitsverlauf) der Erkrankung?
Das MM ist eine Erkrankung, die von Patient zu Patient ganz unterschiedlich
verläuft. Aus diesem Grund ist die ausführliche und
individuelle Beratung jedes einzelnen Myelompatienten durch einen
in der Diagnostik und Therapie der Erkrankung erfahrenen Arzt
unverzichtbar. Bei einigen Myelompatienten bleibt die Erkrankung über
viele Jahre hinweg vergleichsweise inaktiv und muss nicht behandelt
werden (sogenanntes asymptomatisches oder schwelendes Myelom).
Bei anderen Patienten weist die Erkrankung einen äußerst
aggressiven Verlauf auf und führt binnen weniger Monate
trotz intensiver Therapiebemühungen zum Tod. Sehr wahrscheinlich
gibt es nicht eine Erkrankung „Multiples Myelom“,
sondern viele Krankheitsvarianten mit ganz unterschiedlichen
biologischen Eigenschaften. So gibt es beispielsweise immer wieder
Myelompatienten, bei denen keine oder nur ganz diskrete Knochenveränderungen
nachweisbar sind. Andere Patienten weisen bevorzugt Krankheitsherde
außerhalb des Knochenmarkes auf („extramedulläre“ Tumormanifestationen).
Bei wieder anderen Patienten produzieren die Plasmazellen kein
Eiweiß („asekretorisches“ Myelom, ca. 2-3%
aller Betroffenen).
Man ist heute in der Lage, den Krankheitsverlauf eines Patienten
anhand bestimmter Krankheitsmerkmale (Prognosemarker) grob abzuschätzen.
Hierzu zählen bestimmte Laborwerte, einige Veränderungen
am Erbgut der Tumorzelle (genetische Veränderungen) sowie
eine Reihe von „klinischen“ Eigenschaften der Erkrankung
(z.B. die Qualität und Dauer eines Therapieansprechens). Es
ist jedoch entscheidend zu verstehen, dass die Bedeutung jedes
einzelnen Prognosemarkers an großen Patientengruppen untersucht
wurden und daher nur ein beschränkte Aussagekraft für
den einzelnen Patienten besitzen. Man spricht in diesem Zusammenhang
von „Mittelwerten“ bestimmter Messgrößen
(z.B. der Überlebenszeit), die aus den Werten (hier beispielhaft: Überlebenszeit)
aller Patienten einer Gruppe errechnet wurden. Bei einem individuellen
Patienten kann der Wert der Messgröße erheblich vom
Mittelwert abweichen, im Fall der Überlebenszeit also deutlich
länger, aber auch deutlich kürzer sein. Da Prognosemarker
die Auswahl der Behandlung eines Myelompatienten mit beeinflussen
können, sollten die entsprechenden Befunde zwischen Patient
und Arzt ausführlich besprochen werden. Die heute wichtigsten
Prognosemarker sind nachfolgend kurz beschrieben.
-
Laborwerte mit prognostischer Bedeutung:
- Kalziumerhöhung: eine Hyperkalziämie (Erhöhung des
Serumkalziumspiegels über den oberen Grenzwert) ist bei Diagnosestellung
eher selten nachzuweisen, weist dann aber auf einen aggressiven
Krankheitsverlauf hin. Die Kalziumerhöhung reflektiert einen
gesteigerten Knochenabbau durch knochenabbauende Zellen (Osteoklasten),
die wiederum durch von durch Myelomzellen produzierte Botenstoffe stimuliert werden.
- Erhöhung des ß2-Mikroglobulinwertes:
der ß2-Mikroglobulinwert
(sprich: Beta-2-Mikroglobulinwert) ist beim MM ein Maß für
die Tumormasse (je höher der Wert, umso höher die Tumorzellgesamtanzahl).
Auch bei einer Nierenfunktionsstörung, die bei Patienten mit
MM häufig vorliegt, sind erhöhte ß2-Mikroglobulinwerte
zu finden, da dieses Eiweißmolekül über die Niere
ausgeschieden wird. In vielen Studien war ein erhöhter ß2-Mikroglobulinwert
(unabhängig von der Nierenfunktion) mit einem kürzeren Überleben
der Patienten vergesellschaftet. Allerdings gibt es keinen weltweit
einheitlichen oberen Grenzwert für ß2-Mikroglobulin.
Der ß2-Mikroglobulinspiegel wird in der Regel nicht als Verlaufsparameter
verwendet, sondern einmalig bei Erstdiagnose oder bei einem Rückfall
der Erkrankung bestimmt.
- LDH-Erhöhung: eine Erhöhung des LDH-Wertes tritt immer
auf, wenn Zellen (nicht nur Myelomzellen) zugrunde gehen. Somit
muss eine LDH-Erhöhung bei einem Myelompatienten nicht zwangsläufig
auf die Myelomerkrankung zurückzuführen sein. Ist die
LDH-Erhöhung (meist: Wert > 240 U/l) jedoch durch die Erkrankung
bedingt, muss von einer sehr aktiven Erkrankung ausgegangen werden.
Eine Normalisierung des LDH-Wertes zeigt ein Ansprechen auf eine
bestimmte Therapie an.
- Genetische Veränderungen mit prognostischer Bedeutung:
-
Deletion von Chromosom 13: unter Deletion versteht man den Verlust
von Erbsubstanz im Sinne eines Verlustes eines ganzen Chromosoms
oder eines Chromosomenbruchstückes (Abbildungen 6 und 7).

Abbildung 6:
Die Erbinformation des Menschen ist in seiner DNA verschlüsselt. Vor der
Zellteilung wird die DNA in Form von Chromosomen verpackt. Eine normale Zelle
verfügt über 46 Chromosomen (Chromosomen Nr. 1-22 in zweifacher Ausführung
und zwei Geschlechtschromosomen – XX bei der Frau und XY beim Mann).

Abbildung 7:
Schema einer Deletion (oben) sowie einer Translokation (unten) als häufige
Veränderungen am Erbgut von Myelomzellen (Details siehe Text).
Der teilweise oder vollständige Verlust von Chromosom 13
ist mit einer ungünstigen Prognose vergesellschaftet. Je
nach Nachweisverfahren lässt sich die Veränderung unterschiedlich
häufig nachweisen. Etwa 40-50% aller Myelompatienten weist
eine Chromosom 13-Deletion in den Tumorzellen auf, wenn die sogenannte
FISH-Technik (Abbildung 8) angewandt wird. In einer aktuellen
Studie zur Hochdosisbehandlung jüngerer Patienten (bis 65
Jahre) konnte gezeigt werden, dass Patienten, die zwar eine 13q-Deletion,
aber keine Translokation t(4;14) und keine Deletion 17p (siehe
unten) aufweisen, keine schlechtere Prognose aufweisen als Patienten
ohne 13q-Deletion.

Abbildung 8:
FISH-Technik zum Nachweis genetischer Veränderungen. Eingesetzt werden Gensonden,
an die rote und grüne Leuchtfarbstoffe gebunden sind. Myelomzellen werden
mit einem speziellen Farbstoff blau angefärbt. In der abgebildeten Myelomzelle
zeigt sich, im Gegensatz zu allen anderen (normalen) Blutzellen, das Fehlen jeweils
einer Gensonden-Kopie, was in diesem Fall einer Deletion der Chromosomen 13 und
17 gleichkommt.
-
Deletion von Chromosom 17p: Deletionen des kurzen Arms von Chromosom
17 (17p) sind bei Erstdiagnose relativ selten zu finden (ca. 5-10%
aller Patienten). Bei fortgeschrittenen Erkrankungen (nach mehreren
Rückfällen) sind 17p-Verluste deutlich häufiger
nachzuweisen. Durch diese genetische Veränderung wird ein
das Krebswachstum bremsendes Gen (p53) in seiner Funktion gestört.
Die 17p-Deletion zeigt eine ungünstige Prognose an.
- Translokation t(4;14): bei einer Translokation kommt es zu einem
Austausch von Erbsubstanz zwischen zwei Chromosomen (Abbildungen
6 und 7), im Falle der Translokation t(4;14) zwischen einem Chromosom
4 und einem Chromosom 14.
- Durch eine Translokation kann die Aktivität
eines oder mehrere Krebsgene gesteigert werden. Etwa 15-20% aller
Myelompatienten tragen eine t(4;14) in ihren Tumorzellen. Die Prognose
von Patienten mit dieser Veränderung ist deutlich schlechter
als die von Patienten ohne eine t(4;14).
- Klinische Verlaufsparameter mit prognostischer Bedeutung:
- Stadium nach Salmon & Durie: die Stadieneinteilung nach Salmon & Durie
wurde im Jahr 1975 eingeführt und basiert auf einer Reihe
einfach bestimmbarer Messgrößen (Paraproteinmenge,
Kalzium- und Hämoglobinwert, Grad der radiologischen Knochenveränderungen;
Abbildung 9).

Abbildung 9:
Stadieneinteilung nach Salmon & Durie aus dem Jahr 1975.
Unterschieden werden die drei Stadien I, II und III.
Zusätzlich wird eine ein bestimmtes Maß überschreitende
Nierenfunktionseinschränkung mit dem Kürzel „B“ gekennzeichnet,
während bei weitgehend normaler Nierenfunktion ein „A“-Stadium
vorliegt. Das Stadium nach Salmon & Durie gilt als orientierendes
Maß für die Tumormasse, ist aber kein zuverlässiger
Prognosemarker. Der bei weitem größte Teil der Patienten
befindet sich bei Diagnosestellung im Stadium III der Erkrankung.
Für die Klinik entscheidender als die reine Stadieneinteilung
ist heute die Unterscheidung zwischen gutartiger (MGUS) bzw. bösartiger
(Plasmozytom/MM), lokalisierter (Plasmozytom) bzw. generalisierter
(MM) sowie symptomatischer bzw. asymptomatischer Erkrankung, da
sich hieraus Einflüsse auf die Therapieentscheidungen (keine
Therapie; örtlich begrenzte Behandlung, wie etwa Strahlentherapie;
Chemotherapie) ergeben (Abbildungen 10 und 11).

Abbildung 10:
Algorithmus zur Einteilung der Plasmazellerkrankungen und sich daraus ergebende
Konsequenz (Behandlung bzw. Beobachtung)
Als symptomatisches MM mit Notwendigkeit einer Behandlung wird eine Erkrankung bezeichnet,
die mit einer Kalziumerhöhung im Blut (Hyperkalziämie),
einer signifikanten Störung der Bildung roter Blutkörperchen
(Anämie), einer deutlichen Nierenfunktionsverschlechterung
oder einer Knochenproblematik (Osteolysen) einhergeht (Abbildung 11).

Abbildung 11:
Definition des symptomatischen MM und Abgrenzung zur MGUS und zum solitären
Plasmozytom (Kriterien der International Myeloma Working Group).
- Plasmoblastische Plasmazellen:
zeigen sich bei der Knochenmarkuntersuchung
vermehrt sehr unreife Plasmazellen (Plasmablasten), muss von einem
aggressiven Krankheitsverlauf und einer schlechteren Prognose ausgegangen
werden.
- Fehlendes/kurzes Ansprechen auf eine Therapie:
spricht ein Patient auf eine chemotherapeutische Behandlung gar nicht an, oder tritt
ein Rückfall der Erkrankung sehr rasch nach Abschluss der
Therapie auf, muss von einer gewissen Widerstandsfähigkeit
der Tumorzellen gegenüber Zellgiften (Chemotherapie-substanzen)
ausgegangen werden, was die Behandlung der Erkrankung deutlich
erschwert. Welche Bedeutung ein unzureichendes Ansprechen der Tumorzellen
auf klassische Zellgifte im Hinblick auf die Effektivität
neuer Substanzen, wie Bortezomib, Thalidomid oder Lenalidomid hat,
ist derzeit noch ungeklärt.
- Plasmazell-Leukämie:
können Plasmazellen in der Blutbahn
nachgewiesen werden und machen sie dort mehr als 20% aller weißen
Blutkörperchen aus, spricht man von einer Plasmazell-Leukämie.
Eine Plasmazell-Leukämie ist mit einer sehr schlechten Prognose vergesellschaftet.
Dr. med. Peter Liebisch, Facharzt für Hämatologie und Internistische
Onkologie, aktualisiert September 2007 |
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