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Das Myelom |
I. Definition, Epidemiologie, Symptome
- Was ist ein „Multiples Myelom“?
Mit dem Begriff „Multiples Myelom“ (MM) wird eine bösartige
Erkrankung des Knochenmarkes bezeichnet. Wie bei anderen Tumorerkrankungen auch,
entsteht die Erkrankung in der Regel durch Entartung einer einzigen Zelle. Ursprungszelle
des MM ist die Plasmazelle. Plasmazellen gehören zu den weißen Blutkörperchen
und sind im Knochenmark, aber auch anderen Körpergeweben zu finden. Ihre
Aufgabe ist die Produktion von Antikörpern (auch als Immunglobuline bezeichnet).
Antikörper spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem des Menschen, indem
sie an der Abwehr von Viren, Bakterien und anderen Infektionserregern mitwirken.
Der Name der Erkrankung beruht auf dem herdförmigen Wachstum von Tumorzellen
an vielen Stellen des Knochenmarkes. Lässt sich bei einem Patienten lediglich
ein Krankheitsherd nachweisen, spricht man von einem solitärem Plasmozytom.
Die Unterscheidung zwischen Plasmozytom und MM ist vor dem Hintergrund der unterschiedlichen
Behandlung dieser beiden Plasmazellerkrankungen sinnvoll. In Deutschland werden
auch von vielen Ärzten die beide Begriffe synonym, also gleichwertig verwendet.
Obwohl bei weit fortgeschrittenen Erkrankungsformen auch Tumorzellen in der Blutbahn
nachweisbar sein können, ist die Myelomerkrankung keine Leukämieform.
Die Erkrankung wird formal den Lymphomen (Lymphdrüsen-Krebserkrankungen)
zugerechnet, obwohl ein Befall von Lymphdrüsen (Lymphknoten) nur selten
zu beobachten ist.
- Wie häufig ist die Erkrankung?
Das MM macht rund 1% aller bösartigen Erkrankungen des Menschen aus. Im
Vergleich zu anderen Tumorerkrankungen (Brustkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs) ist
das MM also eine seltene Erkrankung. In Europa erkranken von 100.000 Menschen
pro Jahr etwa 4 Menschen an einem MM.
- Wer erkrankt an einem Multiplen Myelom?
Das MM ist typischerweise eine Erkrankung des älteren Menschen. 75% aller
Myelompatienten sind bei Diagnosestellung älter als 60 Jahre. Anders als
bei anderen Krebserkrankungen (z.B. Lungenkrebs durch Rauchen) gibt es kein heute
bekanntes Risikoverhalten, durch welches eine Myelomerkrankung begünstigt
wird. Somit gibt es für bösartige Plasmazellerkrankungen auch keine
vorbeugenden Maßnahmen, durch deren Einhaltung die Erkrankung zu vermeiden
wäre. Die Frage „Warum gerade ich?“, die sich sicherlich die
meisten Patienten gerade zu Beginn der Erkrankung stellen, lässt sich also
nicht beantworten. Das MM gilt nicht als Erbkrankheit, obwohl in sehr seltenen
Fällen auch mehrere Mitglieder einer Familie betroffen sein können.
- Wodurch macht sich ein Multiples Myelom bemerkbar (Symptome der Erkrankung)?
Beim überwiegenden Teil der Patienten macht sich das MM durch Knochenschmerzen,
vor allem im Sinne von Rückenschmerzen, bemerkbar. Obwohl sehr viele Menschen
Rückenbeschwerden beklagen, sind diese nur äußerst selten durch
eine bösartige Erkrankung mit Beteiligung des Knochens verursacht, weshalb
häufig zunächst „Verschleißerscheinungen“ (degenerative
Veränderungen) des Bewegungsapparates für die Schmerzen des Patienten
verantwortlich gemacht werden. Aus diesem Grund vergehen zwischen dem Auftreten
von Knochenbeschwerden und der Diagnose einer Myelomerkrankung häufig Wochen
bis Monate. Bei vielen Patienten wird zunächst eine Schmerztherapie (Tablettentherapie, „Spritzenbehandlung“)
eingeleitet oder versucht, durch physikalische Maßnahmen (Massagen, „Einrenkung“)
Linderung zu verschaffen. Oft wird die Erkrankung erst bei Auftreten weiterer
Symptome der Erkrankung (Beschwerden durch eine Blutarmut, eine Nierenfunktionsbeeinträchtigung,
eine Lähmungserscheinung im Rahmen von Wirbelkörperbrüchen, eine
Kalziumerhöhung im Blut) oder bei Nachweis auffälliger Laborparameter
erkannt.
Neben Knochenschmerzen sind mögliche Symptome einer Myelomerkrankung:
- Zeichen einer Blutarmut, wie Abgeschlagenheit, Antriebsarmut,
Luftnot bei Belastung, Reizbarkeit oder Kopfschmerzen (sehr häufig)
- Infektanfälligkeit mit häufig wiederkehrenden, hartnäckigen Infektionen (seltener)
- Zeichen einer Nierenfunktionsbeeinträchtigung, wie Gewichtszunahme durch Einlagerung von
Flüssigkeit in Körpergewebe (Ödeme; seltener)
- Zeichen einer Kalziumerhöhung im Blut (Hyperkalziämie; sehr selten)
Nicht wenige Patienten berichten über auffallend schäumenden Urin.
Dies kommt durch eine vermehrte Ausscheidung von Eiweiß mit dem Urin bei
vielen Myelompatienten zustande. Immer wieder gibt es auch Patienten, bei denen
die Erkrankung zufällig diagnostiziert wird, z.B. nachdem im Rahmen einer
Routine-Blutentnahme auffällige Laborwerte festgestellt wurden.
Dr. med. Peter Liebisch, Facharzt für Hämatologie und Internistische
Onkologie, aktualisiert September 2007 |
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