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Patientenforum

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Revlimid schlägt an - Wie geht es weiter?


Autor Nachricht
Verfasst am: Sa., 13. März 2010 (19:28 Uhr)
Birgit
Themenersteller
Dabei seit: 25.10.2009
Beiträge: 21
Hallo Christer, hallo Rudi,

ich bin bezüglich des Risikos bein mini-allogenen auch etwas vorsichtig. Es heißt zwar, dass das Risiko der "normalen" allogenen währender ersten 100 Tage höher ist als bei der mini-allo, aber mein Oberarzt meint, dass wenn man das ganze erste Jahr betrachtet, das Risiko bei der mini-allo wieder ansteigt.

Habt Ihr dazu schon was gehört.

Viele Grüße
Birgit
Verfasst am: Sa., 13. März 2010 (22:25 Uhr)
AndreasR
Dabei seit: 23.10.2009
Beiträge: 95
Liebe Birgit,

nach meinem Wissen zählt nur der bei den "transplantationsbedingten Todesfällen" mit, der in den ersten 100 Tagen nach Transplantation stirbt. Daraus ergibt sich für mich, dass die wirkliche Todesrate generell höher liegen muss als die angegebenen Zahlen, denn sicher sterben auch nach den 100 Tagen noch Patienten an den Folgen der Transplantation. Was auch in den Statistiken fehlt ist eine Aussage zu der Lebensqualität, die durch die allogene Transplantation dauerhaft beeinträchtigt werden KANN. Soweit die negative Sicht. Andrerseits glaube ich schon, dass sich die Chancen für eine erfolgreiche allogene Transplantation in den letzten Jahren verbessert haben.

Was die mini-allo anbelangt, sind hier sicher die Chancen, die Therapie gut zu überstehen, besser als bei der vollen allo. Nur ist die Aussicht auf Heilung eben auch nicht besonders groß.

Ich bin in 2002 mini-allogen transplantiert worden und fand das nicht schlimmer (eher leichter) als eine Auto-Transplantation. Hatte auch danach keine allzu großen transplantationsbedingten Probleme, aber auch keine stabile Remission.

Gruß Andreas
Verfasst am: So., 14. März 2010 (01:05 Uhr)
christer
Dabei seit: 18.08.2009
Beiträge: 206
Lieber Rudi,

ich bin ja fast immer deiner Meinung aber hier sehe ich das etwas anders als Du ;-)

In der Weltliteratur wird auch die mini-allo als Therapie mit einer möglichen Heilungschance gesehen. Die Frage die sich für mich stellt: Wie will man wissen ob ein Patient wirklich geheilt ist, schließlich kann man nur den aktuellen Zustand (z.B. CR) messen, nicht aber ob die Krankheit wieder ausbricht. Vielleicht sollte man daher von einer dauerhaften bzw. einer nachhaltigen kompletten Remission sprechen.

Der Bericht von Prof. Einsele bezieht sich in großen Teilen nicht auf die allo, sondern auf die mini-allo. Wie du schon richtig geschrieben hast ist, wird die mini-allo für viele Patienten erst als letzte Chance in betracht gezogen. Und zu diesen Fällen hat Hr. Prof. Einsele ja auch deutlich gesagt, dass dann die Chance auf Heilung sinkt bei steigendem Mortalitätsrisiko. Ich habe auch schon mal eine Studie gesehen die verdeutlicht hat, dass eine steigende Anzahl an Vortherapien mit einem früheren Rückfallzeitpunkt nach mini-allo zusammenhängt. Der Zahlen von Hr. Prof. Einsele beziehen sich ja auch nur auf das erste Rezidiv.

Ein weiteren Grund warum dauerhafte Remissionen bisher auch nach allogener Transplantation seltener waren liegt meiner Meinung am nicht erreichen einer CR nach der Transplantation. Durch die neuen Mittel wie Velcade / Revlimid stehen Möglichkeiten zur Verfügung die Patienten in eine CR als Grundvorrausetzung für eine dauerhafte Remission / Heilung zu bringen. Auch die Möglichkeiten einer langfristigen Erhaltungstherapie z.B. mit Revlimid sind sicherlich möglich unterstützen dies zusätzlich. Weitere Maßnahmen zur Verbesserungen sind in dem Link ja auch aufgeführt. Für mich hört sich das meiste auch recht nachvoll

Es muss wirklich jeder für sich den richtigen Weg finden und sicherlich sollte man die Risiken auch bei einer mini-allo nicht aus dem Kopf verlieren.

Euch allen einen schönen Sonntag!!
Verfasst am: So., 14. März 2010 (16:41 Uhr)
rudi
Dabei seit: 22.10.2009
Beiträge: 401
Hallo,
bei der Mini Allo ist die Sterbensrate während der ersten 100 Tage noch ca. 10 % gegenüber 30-50 % bei der vollen Allo.

Bei beiden ist das Risiko von Craft versus Host (CvH) allerdings gleich hoch, da man ja die Stammzellen eines Spenders in beiden Fällen erhält.
D.h. unangenehme Nebenwirkungen können in beiden Fällen über Jahre oder sogar "Lebenslang" auftreten, die dann die Lebensqualität stark vermindern können. Und daran kann man in schlimmen Fällen (wie Andreas es schon schrieb) auch noch nach den ersten 100 Tagen in lebensbedrohliche Situationen kommen.

Aber trotz allen Risiken bleibt dem einen oder anderen keine andere Wahl und in diesem Fall muß man optimistisch an die Sache herangehen und das Beste hoffen.

Bei meiner Erstdiagnose 1999 habe ich meine Geschwister "Typisieren" lassen und ein Bruder von mir würde als Spender für eine Allogene SZT in Frage kommen. Damals war ich 47 Jahre alt. Heute bin ich immer noch ohne Therapie in einem Zustand von abwarten und sehen.
Ich bin jetzt 57 Jahre alt und die Zeit für eine volle Allogene läuft ab und davon. (Ich bin im Moment auch nicht scharf darauf diese durchzuführen!)
Aber wenns bei mir noch so weiter geht wird diese Option verstrichen sein.
Man hat mich an der Uniklinik Tübingen auch nie gedrängt jetzt die Therapie durchzuführen, da ja meine Werte über die letzten 10 Jahre "sensationell" quasi stabil geblieben sind.
Die Tübinger waren vor Jahren auch schon der Meinung, das sie von der Allogenen nicht mehr so überzeugt sind. So nach dem Motto, das hat nicht zu dem erhofften Ziel geführt.http://www.smiles.kolobok.us/remake/close_tema.gif



LG Rudi
(Seit Ende Mai 2010 in Therapie in der DSMM XII Studie in Würzburg - mit RAD Induktionstherapie)
Verfasst am: So., 14. März 2010 (18:08 Uhr)
sophie
Dabei seit: 10.02.2010
Beiträge: 42
Hallo Rudi,

in Heidelberg hat man mir die Allogene SZT empfohlen.
Für mich keine einfache Entscheidung. Ich bin voller Angst und Panik.

Aber jetzt, nachdem ich Deine Berichte gelesen habe ist es noch
schlimmer geworden. Ich kann da nichts positives erkennen, außer
Sätze wie "Sterberate, lebensbedrohliche Situationen usw."

Am Donnerstag bin ich bei Prof. Einsele. Mal sehen was er sagt.

Liebe Grüße
Sophie




Rudi schrieb:

Hallo,
bei der Mini Allo ist die Sterbensrate während der ersten 100 Tage noch ca. 10 % gegenüber 30-50 % bei der vollen Allo.

Bei beiden ist das Risiko von Craft versus Host (CvH) allerdings gleich hoch, da man ja die Stammzellen eines Spenders in beiden Fällen erhält.
D.h. unangenehme Nebenwirkungen können in beiden Fällen über Jahre oder sogar "Lebenslang" auftreten, die dann die Lebensqualität stark vermindern können. Und daran kann man in schlimmen Fällen (wie Andreas es schon schrieb) auch noch nach den ersten 100 Tagen in lebensbedrohliche Situationen kommen.

Aber trotz allen Risiken bleibt dem einen oder anderen keine andere Wahl und in diesem Fall muß man optimistisch an die Sache herangehen und das Beste hoffen.

Bei meiner Erstdiagnose 1999 habe ich meine Geschwister "Typisieren" lassen und ein Bruder von mir würde als Spender für eine Allogene SZT in Frage kommen. Damals war ich 47 Jahre alt. Heute bin ich immer noch ohne Therapie in einem Zustand von abwarten und sehen.
Ich bin jetzt 57 Jahre alt und die Zeit für eine volle Allogene läuft ab und davon. (Ich bin im Moment auch nicht scharf darauf diese durchzuführen!)
Aber wenns bei mir noch so weiter geht wird diese Option verstrichen sein.
Man hat mich an der Uniklinik Tübingen auch nie gedrängt jetzt die Therapie durchzuführen, da ja meine Werte über die letzten 10 Jahre "sensationell" quasi stabil geblieben sind.
Die Tübinger waren vor Jahren auch schon der Meinung, das sie von der Allogenen nicht mehr so überzeugt sind. So nach dem Motto, das hat nicht zu dem erhofften Ziel geführt.http://www.smiles.kolobok.us/remake/close_tema.gif


Verfasst am: So., 14. März 2010 (21:04 Uhr)
leopoldi
Dabei seit: 23.10.2009
Beiträge: 111
Hallo Sophie,

wir gehen gerade den gleichen Weg. Schon bei der Autologen läuft dieses Mal einiges nicht so wie geplant.

Wenn Prof. Einsele die Allo aus positivster Sichtweise geschildert hat, hat Rudi gerade das Gegenteil getan. Nach dieser Berechnung haben gerade 1,5 bis 2 % ALLER MM-Patienten die Chance auf Heilung, diese kleine Zahl basiert ja gerade darauf, dass eben nur ein kleiner Prozentsatz überhaupt für die Allogene in Frage kommt.
Uns hat man sowohl in Heidelberg als auch in Würzburg zur Auto/Allo geraten. Man sprach in Würzburg von einer Mortilität von ca. 13 %. Aber was nützt alle Statistik? Rein statistisch betrachtet, wüsste ich überhaupt nicht was Multiples Myelom ist.

Je nach Aggressivität ist doch tatsächlich die Frage entscheidend, welche vielversprechenden Alternativen es gibt.

Ich wünsche Dir, dass Du ohne Angst und Panik einen Weg findest, die für Dich richtige Entscheidung zu treffen.

LGe
Leopoldi

Jede Minute die man lacht, verlängert das Leben um eine Stunde.
Verfasst am: So., 14. März 2010 (22:05 Uhr)
sergio
Dabei seit: 27.10.2009
Beiträge: 113
Hallo,
interessante Diskussion... sozusagen,
ich denke, dass es letztendlich eine sehr persoenlich Entscheidung ist, wozu man sich entscheidet, weder die Aerzte noch Angehoerige koennen im Grunde eine Hilfe sein, so sehe ich das. Man versucht sich zu informieren so gut es geht, aber dann muss man selber entscheiden. Die statistiken zaehlen bis zu einem gewissen Punkt. Es haengt auch viel von der Entwicklung der Krankheit ab.
Wenn man wie Rudi seit Jahren in einer stabilen Phase ist, dann ist es auch einfacher sich gegen die allo zu entscheiden. Anfangs hatte ich auch keine Allo-gedanken. Ich dachte, nach der 1. autologen haette ich einige Zeit Ruhe, aber dann musste ich die 2. autologe nachschieben, ja und die letzte PET war halt immer noch positiv, also scheint es bei meiner, entgegen der optimistischen Meinung der Aerzte, doch ernsthafter zu sein, und habe deswegen auch angefangen, ueber die allo nachzudenken.
Ich kenne Aerzte die strikt gegen die allo sind, kuerzlich sagte mir eine Haematologin, die allo waere nur als letzte Moeglichkeit zu betrachten, und sie haette nur eine Patientin mit MM transplantiert diese war 62 Jahre alt (!), es ging gut aber die KH kam zurueck.
Andere Aerzte sind dagegen aufgeschlossener, also die Situation ist nicht einfach. Persoenlich aber ist meine Auffassung, dass ich eine allo eben einer Situation vorziehe, in der ich dann ueber Jahre therapiert werde mit allen moeglichen Medikamenten und den Nebenwirkungen und dann am Ende die Erfolgschancen sehr gering sein werden. Also dann lieber allo beim ersten Rezidiv.
Die ideale Situation waere eben, ueber Jahre stabil zu sein und sich nicht damit befassen zu muessen.
Prof. Einsele meinte kuerzlich, es gaebe ja ausser der Moeglichkeit des Fremdspenders, auch die Moeglichkeit der haploidenten allo und auch den Nabelschnurbluts, wo das Risiko scheinbar geringer ist.
Er meinte aber, das Problem bei der allo sei nicht so sehr die Mortalitaet, sondern dass die Krankheit nach einer gewissen Zeit wieder auftritt.
gruss
sergio

Sergio
Verfasst am: Mo., 15. März 2010 (08:44 Uhr)
leopoldi
Dabei seit: 23.10.2009
Beiträge: 111
Hallo Sergio,

genau das ist der Punkt. Unter den Voraussetzungen, dass die Krankheit jahrelang stabil ist, ist eine Allo natürlich überhaupt kein Thema.
Hat man MM-Patienten schon erfolgreich mit Nabelschnurblut transplantiert? Irgendwo meinte ich mal gelesen zu haben, dass die Menge für einen erwachsenen Menschen evtl. nicht ausreicht? Bin mir da jetzt gar nicht mehr sicher, vielleicht verwechsel ich auch was.
Wieso birgt eine haploidente Transplantation weniger Risiken? Uns wurde in Würzburg gesagt, eine haplo käme nur in Betracht wenn kein geeigneter Spender gefunden würde und wenn, dann überhaupt auch nur innerhalb einer Studie, wobei man spezielle Medikamente zur Verfügung hätte. Außerhalb einer Studie würde man meinen Mann nicht haploident transplantieren.
Zu den Bedenken wurde uns gesagt, das Hauptproblem bei der Allo sei das Infektrisiko, sprich Mortalität und das Rezidiv.

LGe
Leopoldi

Jede Minute die man lacht, verlängert das Leben um eine Stunde.
Verfasst am: Mo., 15. März 2010 (15:10 Uhr)
carina
Dabei seit: 04.12.2009
Beiträge: 97
Hallo ind Runde,
eigentlich wollte ich mich an dieser Diskussion nicht beteiligen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl doch mal meinen "Senf" dazutun zu müssen.
Ich habe irgendwie den Eindruck, daß alle die so absolut gegen eine allo sind und von einer Menge "Nebenwirkungen, vermind. Lebensqualität etc sprechen eigentlich gar nicht mitreden können, da sie nämlich noch gar keine allo hinter sich haben.
Und ich stimme sergio zu, wenn mann 10 Jahre keine Therapie braucht - ist eine allo auch ganz weit hinten.
Ich spreche ja aus Erfahrung und ich kann für mich - deutlich gesagt für mich sagen: ich würde es jederzeit wieder tun!. Meine allo ist jetzt 8 Monate her und ich habe eine gute Lebensqualität. Sicher muß man die ersten 100 Tage besonders aufpassen, aber das muß man nach einer auto auch, die alllo ist halt nur einen Zacken schärfer. Außerdem kann ich mir nur schwer vorstellen, daß unter dauernden Chmos mit versch. Mitteln die Lebensqualität besser sein soll. Aber ich finde das muß jeder für sich entscheiden.
LG Andrea.
Verfasst am: Mo., 15. März 2010 (18:13 Uhr)
rudi
Dabei seit: 22.10.2009
Beiträge: 401
Hallo,
mit meinem ernüchternden Beitrag neulich habe ich vielleicht einigen den Mut genommen- das sollte nicht so sein !!.
Ich habe den selben Text zeitnahe per e-mail an Prof. Einsele gesendet mit der Bitte um Stellungnahme zu meiner Einschätzung.
Heute habe ich wie gewohnt von Prof. Einsele sehr schnell und ausführlich eine Antwort erhalten.

Hier die Antwort von Prof. Einsele:
.....................................................................................................
Sehr geehrter Herr Schmidt,

danke für Ihre Mail.

Ich kann Ihre Einschätzung schon sehr gut verstehen. In der Tat wird das Myelom fast überall als unheilbar geschildert.

Allerdings - wenn Sie genau die Überlebenskurven der allogenen Stammzell-transplantierten Patienten verfolgen und in die aktuelle Literatur hineinschauen, so sehen Sie z. B. eine Arbeit, die gemeinsam von Herrn Kröger und mir in Biology of BMT also dem amerikanischen Journal der Stammzelltransplantation veröffentlicht wurde, das von den damals allerdings unter 55jährigen Patienten nach einem jetzt fast 7jährigen Follow-up eine 12Jahre-Überlebenszeit von 50 % berichtet. Die Patienten, die nach der SZT eine komplette Remission erreicht haben, haben eine Wahrscheinlichkeit nach 12 Jahren noch krankheitsfrei zu sein – von 60 %. Ich glaube schon, dass diese Daten dafür sprechen, dass eine echte Heilungschance durch die allogene Stammzelltransplantation existiert. Darunter waren auch Patienten, die intensiver vorbehandelt waren.

Auch andere Überlebenskurven zeigen bei der allogenen SZT, dass es ein Plateau gibt, d. h. es gibt eine Subgruppe von Patienten, die offensichtlich geheilt werden, wobei diese Subgruppe bei den nicht vorbehandelten Patienten in einer Größenordnung von etwa 35 % bisher liegt (ohne Einsatz der neuen Substanzen) -- für die vorbehandelten Patienten, wie wiederum in einer aktuellen Analyse von Herrn Gröger oder in einer früheren Arbeit auch von mir zeigt, bei etwa 20 – 30 %.

Was klar ist, ist dass einem Patienten der sozusagen alle Therapieoptionen durchlaufen hat und dann die allogene SZT wünscht, nicht von der allo-SCT profitiert. Die Sterblichkeit ist in dieser Situation sicher über 50 % und die Chance auf Heilung sicher deutlich unter 10 %. Trotzdem dürfen Sie nicht vergessen, dass man seit vielen Jahren bei einer akuten Leukämie die nicht auf Chemotherapie anspricht, die SZT als Standard gilt, obwohl nur etwa zwischen 15 und 30 % der Patienten geheilt werden können.

Ich selber betreue Patienten, die z. T. jetzt mehr als 15 Jahre nach allogener SZT noch in kompletter Remission und ohne irgendwelche Spätschäden nach allogener Transplantation sind, so dass es tatsächlich auch von mir gesehen, Patienten gibt, die nach Ihren Kriterien geheilt sind.

Derzeit kann man sicher aus den abgeschlossenen Studien noch keine Heilungswahrscheinlichkeiten von 50 % ablesen, die Überlegung ist aber, dass eben die neuen Substanzen vor und nach allogener SZT eingesetzt diese Heilungsrate erzielen werden.
Ich denke, es ist auch wichtig, den Patienten etwas Mut zu machen und die aktuellen Entwicklungen in der Therapie des Multiplen Myeloms scheinen mir dazu wirklich Anlass zu geben.

Auch nach autologer SZT überschaue ich jetzt doch eine kleine Zahl von Patienten, die mehr als 10 Jahre nach SZT weiterhin in einer sehr guten Remission sind und die sicher optimistischen Kalkulationen von Prof. Barlogie deuten darauf hin, dass es einen Teil von Patienten in einer Größenordnung von 20 bis über 30 % gibt, die nach einer autologen SZT mehr als 10 Jahre nach einer SZT noch krankheitsfrei sind.
Eine aktuelle Analyse auf dem ASH z. B. hat gezeigt, dass Patienten, die auch noch ohne die neuen Substanzen vor und nach Transplantation behandelt wurden bei Erreichen einer CR zu 22 % nach 12 Jahren weiterhin in einer kompletten Remission sind.
Ich glaube schon, dass man diese Daten auch in der Patientengruppe zirkulieren lassen sollte. Es gibt, definitiv Anlass positiver in die Zukunft zu schauen. Die Aufgabe von uns Ärzten wird sicher sein, die Risikogruppen noch besser zu definieren, um vor allem diejenigen Patienten frühzeitig herauszufinden, die durch eine autologe oder allogene SZT tatsächlich geheilt werden können, damit wir diesen diese Verfahren möglichst rasch und möglichst nebenwirkungsarm anbieten.
Für die Patienten, bei denen sicher keine Heilungschance besteht, müssen wir sicher andere therapeutische Wege gehen und finden und auch hier glaube ich, gibt einigen Grund zum Optimismus.

Danke für diese Information und ich würde mich freuen, wenn Sie diese Information auch breiter streuen können.

Mit besten Grüßen
H. Einsele


LG Rudi
(Seit Ende Mai 2010 in Therapie in der DSMM XII Studie in Würzburg - mit RAD Induktionstherapie)
Verfasst am: Mo., 15. März 2010 (19:25 Uhr)
gast
Dabei seit: 14.08.2009
Beiträge: 237
Hallo,

danke Rudi und vielen Dank Prof. Einsele.

Diese Mitteilung gibt Kraft und lässt uns optimistischer in die Zukunft blicken.


Gruss Ines
Verfasst am: Di., 16. März 2010 (00:01 Uhr)
christer
Dabei seit: 18.08.2009
Beiträge: 206
Hallo Rudi,

vielen Dank f. deine Bemühungen. Denke es ist wirklich eine sehr spannende Diskussion.
Verfasst am: Di., 16. März 2010 (08:36 Uhr)
AndreasR
Dabei seit: 23.10.2009
Beiträge: 95
Hallo Rudi,

toll, dass Du die Stellungnahme von Einsele eingeholt hast!!

Die Antwort von Einsele enthält meiner Ansicht nach einen ganz wichtigen Gedanken: Die allogene Transplantation sollte am Anfang der Behandlungen eingesetzt werden und nicht erst, wenn Mathei am letzten ist. Das deckt sich mit den Beobachtungen, die ich bei diversen Mitpatienten gemacht habe. Wer die allogene SZT als letzten Rettungsanker nimmt, hat schlechte Karten, wer sie früh einsetzt, kommt besser durch.

Meine mini-allo wurde ein halbes Jahr nach der Diagnose durchgeführt, zuvor hatte ich 4 Zyklen CAD mit Stammzellsammlung nach dem zweiten Zyklus und dann die autologe SZT. Die mini-allo folgte 10 Wochen nach der auto SZT.

Obwohl ich - wie schon öfter erwähnt - durch die allo keine CR erreichte, hat sie wahrscheinlich doch genutzt, denn ich hatte vor kurzer Zeit mein achtjähriges "Diagnose-Jubiläum", obwohl man mir bei der Diagnose nur noch sechs Monate zugestand. Und eine weitere positive Auswirkung: Nach den beiden Hochdosis-Therapien (vor der auto SZT und vor der mini-allo) bekam ich ja mit der allo frische und nicht durch Chemie vorbelastete Zellen. Wahrscheinlich dadurch habe ich heute - trotz der vielen Behandlungen mit Thalidomid, Revlimid, Velcade, Doxorubicin,... eine gute Blutbildung und selbst unter Therapie nie Probleme mit dem Blutbild.

Lange Rede, kurzer Sinn: Man sollte m.E. die Entscheidung für eine allo nicht zu lange aufschieben. Entscheidet man sich zu spät, geht man ein hohes Risiko ein.

Andreas
Verfasst am: Di., 16. März 2010 (09:27 Uhr)
christine
Dabei seit: 22.10.2009
Beiträge: 201

HalloRudi,
vielen Dank an Dich und auch an Dr. Einsele!

…das Problem wir eben bleiben, dass man zu Anfangs immer noch hofft, auch ohne allogene HD x –Anzahl Jahre zu haben und dass man eben nicht zu den 10-20% gehören möchte die ihre Enkel nie zu Gesicht bekommt. Man tauscht das bestehende Risiko gleich zu sterben mit der Hoffnung, 100% einige weitere Jahre zu leben und dann von einer Therapieoption zur nächsten zu jonglieren bis irgendwann mal ein Wunder geschieht. Das ist ja sehr menschlich -wir sind ja alle „Flüchter“. D.h. wir sind seit Millionen Jahren lieber auf die Bäume abgehauen, als dass wir uns dem Säbeltiger stellten. Lieber als Kampf eine Option zum Verdursten auf dem Baum und der Tiger könnte ja auch abhauen....
Für einige von uns sehen die Therapieoptionen und die Anzahl Jahre aber sehr mager aus,der Fluchtbaum ist eher ein dürrer Ast und da sollte man sich überlegen, dass 85% Überleben eine ganz tolle Zahl ist. Ganz abgesehen von den vielen, die in Langzeitremission (Balogie sagt ja einfach CURE) sind und sich hier ja einfach nicht melden, weil sie sich nicht mehr zum Kreis der Betroffenen zählen.

Liebe Grüße
aus Oslo
Verfasst am: Di., 16. März 2010 (10:58 Uhr)
bernd
Dabei seit: 24.10.2009
Beiträge: 59
Hallo,

die Informationen von Prof.Dr.Einsele enthalten doch Hoffnungen für uns alle. Richtig ist, wie Andreas es sagt, möglichst am Anfang der Therapie schon zu überprüfen, ob nicht die Allo eingesetzt werden kann. Nun haben ja viele von uns, ich muss mich da einschließen, bereits Vortherapien hinter sich. Ich selber habe die autologe Tandem SZT bekommen und lebe im Moment mit einer Dexa-Mono-Erhaltungstherapie 3,5 Jahre danach noch ganz gut. Mir hat Prof.Dr.Einsele sogar noch eine dritte autologe empfohlen, falls es dann in der Zukunft sein müsste. Auch danach sah er noch eine Allo oder haploidente SZT für möglich an, weil, wie er mir sagte, die Vor- und Nachbehandlung durch die neuen Medikamente ein günstigeres Spektrum zum Überleben dieser doch immer noch risisikoreichen Behandlung bieten. Also können auch wir über 60-jährigen noch nach erfolgter Vorbehandlung auf diese Option hoffen, wenn auch mit geringeren Heilungschancen. Am Ende wird es doch immer wieder auf das individuelle Aggressionspotential des jeweils individuellen Plasmozytoms ankommen. Bei mir kommt noch erschwerend hinzu, dass man nach intensiver Suche im Jahr 2007 keinen Fremdspender mit 100% Übereinstimmung gefunden hat. Also müsste man neu suchen oder ich müsste die von Prof.Einsele angebotene haploidente SZT von einem meiner Söhne in Anspruch nehmen, wobei Risiko und Heilungschanchen sicher nicht den Prozentzahlen der üblichen Allo entsprächen.
Wenigstens bin ich froh, dass mein MM von meinem Onkologen immer wieder als nicht so aggressiv eingestuft wird, das gibt Hoffnung. Die Infos von Prof Einsele sollten uns allen Hoffnung geben.

Gruß

bernd


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